Velasco zieht schlussstrich: letzter tanz mit italiens volley-queens

Julio Velasco hat den Countdown laut gestartet: Nach Olympia 2028 in Los Angeles wird der 74-jährige Mastermind die italienische Volleyball-Nationalmannschaft verlassen – und damit ein Imperium hinterlassen, das in zwei Jahren nur Gold kennt.

Die Nachricht fällt in den heißen Tagen der Vorbereitung auf die Nations League, doch der argentinische Zauberer wirkt gelassen. „Ich werde aufhören, damit jemand anderer das Zepter übernimmt“, sagt er mit jenem ruhigen Unterton, der seine Spielerinnen seit 2024 in jedes Finale getrieben hat. Kein Tränen-Talk, kein Rückzieher – nur klare Kante.

Ein posten für monica de gennaro – wann immer sie will

Während Velasco schon die Nachfolge plant, sichert er seiner Libera ein Lebenswerk ab: Monica De Gernaro bekommt einen Job im Stab – ob als Assistenztrainerin oder im Nachwuchs, das entscheidet sie. „Sie ist ein italienisches Volleyball-Vermögen, das wir nicht verstreuen dürfen“, betont er. Keine Floskel, sondern Versprechen. Sein Blick wandert bereits zu Eleonora Fersino, Ilaria Spirito und Beatrice Moro – drei Libera, die um das Erbe konkurrieren.

Antropova auf außen – ein experiment mit turbo-faktor

Antropova auf außen – ein experiment mit turbo-faktor

Velasco liebt Versuchslabore. In der Nations League wird Ekaterina Antropova nicht als Diagonal, sondern als Außenangreiferin auflaufen. Hinter dem Plan steckt Mathematik: Ihre Aufschlag-Geschwindigkeit, ihre Block-Reichweite gegen schwere Gegnerinnen wie Haak oder Bosković – alles Zahlen, die ihm keine Ruhe lassen. „Ihre Schlaghand aus Position vier kann uns zusätzliche Punkte bescheren“, rechnet er vor. Ob das Projekt bis zur Europameisterschaft hält, wird Ende Juli besiegelt.

14 Klubs sind zuviel – der kalender kollabiert

14 Klubs sind zuviel – der kalender kollabiert

Velasco schlägt mit der Faust auf den Tisch, wenn er den Spielplan erwähnt. „Ein Frauen-Scudetto mit 14 Teams ist Wahnsinn. Zwölf reichen völlig“, wettert er. Die Spielerinnen klagen über Knie, Rücken, mentale Leere. Auch die Idee, eine WM im Januar auszutragen, weist er zurück: „Ein Desaster. Die Trennung von Verein und Nationalteam funktioniert – warum soll man sie zerstören?“

Keine gnade für national-verweigerer

Keine gnade für national-verweigerer

Letztes Jahr hatte Velasco Spielerinnen, die sich wegen Blessuren abmelden wollten, mit dem Bann belegt. Die Linie bleibt hart. „Wir entscheiden gemeinsam mit dem Klub-Arzt, nicht die Spielerin allein. Wer die Blu will, muss Vollgas geben“, sagt er knapp. 1989 begann er mit dieser Devise – seitdem hat er nie einen Millimeter nachgegeben.

Brignone als vorbild – yamal wäre in italien auf der bank

Brignone als vorbild – yamal wäre in italien auf der bank

Sogar die Winterspiele hat Velasco verfolgt. „Brignones Risiko war historisch“, schwärmt er. Doch er warnt sofort: Verletzte Athleten hochzujagen, daraus mache man keinen Standard. Und er schießt gegen den italischen Umgang mit Talent: „Yamal wäre bei uns mit 16 nicht auf dem Feld gestanden. Im Barça schon. Wir haben Angst vor Fehlern, statt junge Spieler durchzuschmuggeln“, wettert er.

Ein letzter Blick nach vorne: 2028 wird er die Handtücher schwingen, aber nicht in einem Büro versauern. „Ich werde weitertrainieren, bis die Knie streiken. Verwaltung? Nie im Leben“, lacht er. Dann steht er auf, schnappt sich die Clipboards – und geht zurück aufs Feld. Dort, wo seine Revolution weiterläuft, Sekunde um Sekunde, Satz um Satz.