Van der poel zittert sich zum hattrick: solo reicht diesmal nur für fünf sekunden
Der Niederländer preschte auf dem Paterberg weg, 42 Kilometer später bügelte ihn die Jagdgruppe fast wieder glatt. Mathieu van der Poel hat die E3 Saxo Classic 2026 gewonnen – doch diesmal war Selbstlob fehl am Platz. 30 Meter Vorsprung, ein Kilometer vor dem Ziel, das rechnet kein Taschenrechner mehr.
Seine vorherigen Solos hier endeten mit Galavorstellungen, heute reichte es bloß zur Galgenfrist. Die Uhr stoppte bei 4:51:23 Stunden, dahinter lauerten Per Strand Hagenes und Florian Vermeersch mit je fünf Sekunden Rückstand. Eine Handvoll Herzschläge, nichts weiter.
Der paterberg frisst respekt – und spuckt den rest der welt aus
13,5 % Steigung im Schnitt, kurze Rampen bis 20 %. Wer dort attackiert, muss entweder Masochist oder Weltmeister sein. Van der Poel ist beides. Nach seiner Attacke blickte er einmal zurück – mehr nicht. „Ich wollte keine Show, ich wollte weg“, sagte er später, die Stimme noch rau vom Sauerstoffschuld.
Die Verfolgung organisierte sich erst, als sich alle fragten, ob der 31-Jährige diesmal vielleicht doch zu früh zündete. Visma-Lease a Bike und UAE Emirates schalteten in den Team-Time-Trial-Modus, zogen die Lücke von 58 Sekunden auf 30 Meter heran. Die Zuschauer an der Oude Kwaremont hielten schon die Luft an.
Dann kam der letzte Rechtsknick nach Harelbeke. Van der Poel schaltete in den alten Van-der-Poel-Modus: aus dem Sattel, Zahnkranz klappernd, Blick starr auf das rote Banner. Die Gruppe hinter ihm schoss aus dem letzten Keilformationsreflex heraus – zu spät.

60 Siege, eine frage und ein slowake, der fehlte
Die Zahl 60 steht jetzt in seiner Palmarès-Excel-Tabelle. Sie wirkt fast unscheinbar gegenüber den drei in Folge in der E3, doch sie bedeutet: mehr als Erik Zabel, mehr als Rolf Sørensen, mehr als jeder niederländische Klassikerfahrer seit 1980. Nur: wann folgt der nächste ganz große?
Vor einer Woche verpasste er in Mailand-Sanremo als Achter die Titelverteidigung. Tadej Pogačar riss trotz Sturz den Sieg an sich, van der Poel musste zusehen. In Harelbeke war der Slowene nicht am Start – ein kleines Geheimnis der Rennleitung, das für Aufregung sorgte. „Ich hätte ihn gern hier gehabt“, sagte van der Poel trocken. „Dann wüsste ich, wo ich wirklich stehe.“
Die Saison ist noch jung, die Ardennen kommen, dann die Tour, dann die Weltmeisterschaft in Den Haag. Wer 60 Siege zählt, denkt nicht an Rücktritt. Aber er denkt über Verschleiß nach. „Jeder Solo kostet zwei Jahre Leben“, scherzte er. Die Frage ist nur, wie viele er noch übrig hat.
Die Antwort liegt irgendwo zwischen 30 Metern Vorsprung und einem Paterberg, der keinen Gnadenauftrag kennt. Für heute reicht’s. Morgen fährt das Peloton weiter, und van der Poel wird wieder wegsehen – nur nicht zurück.
