Van der poel rast über die pflastersteine – tirreno-adriatico wird zur schlammschlacht
Regen, Kopfsteinpflaster, ein Sprint, der die Lungen zerreißt – Mathieu van der Poel hat die zweite Etappe der Tirreno-Adriatico in San Gimignano mit einem Biss demonstriert, den man so nur von ihm kennt. Der Niederländer schob sich im letzten Meter vorbei an Isaac Del Toro und dem italienischen Jungstar Giulio Pellizzari. Drei Sekunden entscheiden aktuell über Rosa und Nicht-Rosa.

Der regen mischt das klassement komplett durch
Was am Morgen noch wie eine harmlose Mittelgebirgsfahrt von Camaiore aussah, wurde zur Schlammschlacht. Die Streckenposten hatten die Schotterpassagen im Finale extra nicht abgesperrt – ein Geschenk an die Zuschauer, ein Fluch für die Fahrer. Reifenwechsel, Stürze, Fahrer, die sich mit bloßen Händen wieder aufs Rad ziehen – das alles in den letzten sieben Kilometern. Filippo Ganna, gestern noch im Rosa Trikot, verlor 14 Sekunden. Die Maglia Azzurra klebt nun an Del Toros Schultern, doch das Material ist dünn: Pellizzari lauert, Van der Poel schnuppert.
Die Stunde des Mexikaners ist noch nicht gekommen, sagten viele vor der Saison. Del Toro antwortet mit Zahlen: 26 Jahre alt, zweites Profijahr, schon zweimal WorldTour-Etappenerfolg. Die Kraftreserve, die er auf dem letzten Anstieg noch hatte, war kein Zufall. Sein Sportdirektor gab ihm die Erlaubnis, nicht zu warten. „Fahr, bis die Lichter ausgehen“, rief er über Funk. Die Lichter gingen nicht aus.
Morgen winken die sprinter – oder doch nicht?
Magliano de’ Marsi, 192 km, ein Zielbogen, der nach Sprint riecht. Doch wer die Streckenprofile kennt, weiß: Es gibt zwei Rampen in den letzten 40 Kilometern, 4 %, 6 %, kurz, aber giftig. Jasper Philipsen und Tim Merlier haben ihre Züge schon angeworfen, doch Van der Poel droht wieder vom Zeitfahrrad herunterzuspringen. Die Logik sagt Sprint – das Rennen sagt Überraschung. Drei Sekunden Vorsprung sind ein Wimpernschlag, kein Polster.
Wer jetzt noch glaubt, dass diese Tirreno-Adriatico eine bloße Generalprobe für den Giro ist, hat die Rechnung ohne den niederländischen Tornado gemacht. Van der Poel jagt nicht nur Etappen, er jagt Legenden. Und er jagt sie mit dem Selbstbewusstsein eines Mannes, der weiß, dass er auch morgen wieder der schnellste sein kann. Die Jagd ist eröffnet – und sie wird nass.
