Van der poel gegen pogacar: milano-sanremo wird zur offenen schusswunde
175 Fahrer, 25 Teams, eine Frage: Wer überlebt auf der Via Roma? Samstagmittag rollt in Mailand die 117. Milano-Sanremo los – und diesmal droht die längste Klassiker-Entscheidung der Geschichte zu werden, weil zwei Superstars mit gegensätzlichen Blattfetten auf Kollisionskurs stehen.
Van der poel trägt die zielgerade im kopf
Der Niederländer hat das Pflaster der Ligurischen Küste schon zweimal geküsst. 2023 und 2024. Mathieu van der Poel kann sich die letzten 280 Meter aufschreiben, ohne zu schauen. Tadej Pogacar hingegen schaut noch. Der Slowene stand dreimal am Start, dreimal fuhr er leer nach Hause. 2026 ist seine vierte Chance – und gleichzeitig seine erste, seitdem er weiß, wie es ist, auf der Poggio-Abfahrt zu platzen.
Die Form? Beide kommen mit Siegerluft. Van der Poel gewann Strade Bianche mit Sololauf, Pogacar liess Tirreno-Adriatico explodieren. Doch die 298 Kilometer zwischen Kastellung und Meer sind ein eigenes Kaliber. Wer hier zuvor strahlt, kann in Via Roma schon mal verglühen. Die Wetter-App zeigt 14 Grad und Südwind – perfekt für Sprinter, gefährlich für Attacker.

Italia schickt ganna als joker
Filippo Ganna reist nicht als Zeitfahr-Monster, sondern als Kapitän. Der 29-Jährige trainierte seit November auf dieser Strecke, filmte jede Kurve der Poggio-Abfahrt. Sein Plan: 55 km/h auf dem Flachen, 450 Watt auf dem Treppchen von Cipressa. In der Nation, die seit 2010 wartet, gilt er als letzte echte Hoffnung. Bardiani und Polti sind die einzigen italienischen Teams – beide würden sich mit einem Top-Ten-Platz zufriedengeben.
Die Wildcards sind diesmal keine Randnotiz. Tudor bringt Paul Magnier, den 21-jährigen Franzosen, der in Paris-Nizza drei Tage das Weiße Trikot trug. Cofidis setzt auf Bryan Coquard – endlich die 290 Kilometer, die seinem Schlussspurt entsprechen könnten. Und hinter den großen Namen lauert Jasper Stuyven, der 2021 schon einmal bewies, dass man Milano-Sanremo auch mit 25 Sekunden Vorsprung gewinnen kann.
175 Namen auf der Liste, aber nur einer wird abends im Hotel auf sein Fahrrad starren und wissen: Das war mein Tag. Die restlichen 174 werden lernen, dass die längste Klassiker-Ebene der Welt manchmal einfach nur die längste Nacht wird.
