Valdano zerreißt mourinho-hype: „er wird madrids sündenbock, nicht der erlöser“
Jorge Valdano hat den Ball flachgehalten – und gleichzeitig die Luft aus dem Mourinho-Kreisball gelassen. Die Real-Ikone warnte am Donnerstagabend im Ateneo de Madrid eindringlich vor einer erneuten Verpflichtung des Portugiesen: „Wer glaubt, José löse alle Probleme, der betet am falschen Altar.“
Die Szenerie war passend: Bei der Präsentation des Buches „366 Fußballer, die Geschichte schrieben“ saß der Argentinier zwischen lauter Geschichts-Nerds und ließ die Gegenwart platzen. Seine These: Mourinho 2.0 wäre kein Quick-Fix, sondern ein Brandsatz in einer Kabine, die ohnehin am Brodeln ist.
Valdano fordert personelle revolution statt trainer-quickie
„Ihr müsst auf Schlüsselpositionen neue Gesichter holen – und zwar vorher, nicht nachher“, polterte der ehemalige Stürmer und Ex-CEO. Noch deutlicher: „Es braucht eine Führungsrevolution im Inneren, sonst explodiert das Konstrukt spätestens im Februar.“ Kurz: Er sieht Madrids Problem nicht im Trainerteam, sondern in der hierarchischen Leere nach Sergio Ramos und Karim Benzema.
Valdano kennt beide Seiten. 1985 gewann er als Spieler die Meisterschaft, 1995 saß er auf der Bank – und 2009 räumte er als Sportdirekteur auf. Seine Bilanz: „Mourinho liefert Kontinuität, aber keine Kultur.“

Fans drohen mit boykott – valdano hält ihnen die treue
Ein Teil der Madridista-Ultras kündigte bereits an, bei einer Rückholaktion den Stehplatz zu meiden. Valdano nimmt ihnen die Angst, nicht die Leidenschaft: „Bleibt. Auch wenn es stinkt. Ich bin trotz Zerwürfnis Real-Fan geblieben – und genau das macht uns stark.“ Dreimal „Haltet durch“ rief er in den Saal, bevor er sein Buch signierte.

Wm-tipp: spanien vorne – weil ballbesitz in der hitze tötet
Abseits der Mourinho-Debatte legte Valdano seine Katar-Bilanz für den Sommer nieder: Argentinien, Frankreich, Portugal – und Spanien „vielleicht an erster Stelle“. Begründung: „Wer in 38-Grad-Hitze nur langen Ball spielt, bringt sich selbst um.“ Entscheidend seien Lamine Yamal und Nico Williams, weil ihre Dribblings Spanien aus dem „Tiki-Taka-Redeschwall“ reißen. „Ohne Tempo auf den Außen stirbt man an tausend Kontakten – wie schon in Russland und Katar.“
Sein Fazit zur Aufstockung auf 48 Teams: „Wir bekommen mehr 0:0s, mehr Betonmauern und mindestens ein Ergebnis, das sich FIFA-Präsident Infantino in seinen kühnsten Alpträumen nicht ausmalet.“
Valdano verließ den Saal, ohne eine Lösung anzubieten – aber mit der Gewissheit, dass Madrids Problem nicht auf der Bank, sondern im Spiegel steckt. Mourinho hin oder her: „Wenn die Köpfe nicht stimmen, nützt auch der spektakulärste Name nichts.“
