Urbig raus, dahmen rein – nagelmanns torhüter-roulette vor dem schweiz-test
Mitten in der Nacht, 24 Stunden vor dem Anpfiff in Basel, ruckelt wieder das Kader-Rad. Jonas Urbig, Bayerns Youngster, verlässt mit einer Kapselprellung im rechten Knie das DFB-Quartier. Julian Nagelsmann zögert keine Sekunde: Finn Dahmen soll einspringen, ein Wechsel, der alles sagt über den Zustand der Nationalmannschaft – und den des Rekordmeisters.
Die verletzungsgeplagte torhüter-hierarchie
Manuel Neuer fehlt seit Wochen, Sven Ulreich und Leon Klanac auch. Urbig war die Notlösung, nun droht auch ihm eine Pause. Bayern-Intern schrillen die Alarmglocken: Am Dienstag steht das CL-Rückspiel gegen Atalanta an, und plötzlich ist der 16-jährige Leonard Prescott wieder Thema. Nagelsmann versucht zu beschwichtigen: „Eine winzige Kapselirritation, nichts Dramatisches.“ Doch die Wahrheit lautet: Der Verband kann sich kein Risiko leisten, der Klub schon gar nicht.
Dahmen landet am späten Abend im Teamhotel Basel. Der 27-Jährige vom FC Augsburg war schon im Herbst dabei, damals ohne Einsatz. Nun rutscht er zwischen Oliver Baumann und Alexander Nübel – eine Personalie, die niemand oben auf der Wunschliste hatte, aber Stabilität verspricht. „Er kennt die Abläufe, wir kennen ihn“, sagt Nagelsmann knapp. Mehr muss man nicht hinzufügen.

Die frage, die bleibt
Die Schweiz und Ghana warten, zwei Tests, die eigentlich Rhythmus bringen sollen. Stattdessen prägen Absagen das Bild. Pavlovic, Nmecha, Leweling, nun Urbig – ein Blick auf die Ersatzbank wird zur Geduldsprobe. Die Kaderbreite war Nagelsmanns Trumpf, sie schrumpft mit jedem Knieproblem. Die Zahl der verfügbaren Feldspieler schmilzt auf 18, das Torhüter-Trio ist ein Puzzle aus Notnominierungen.
Bayern atmet trotzdem auf. Urbig fliegt nicht nach München, sondern in die Reha-Kabine. Die Diagnose: minimal, aber rechtzeitig. Die Botschaft: lieber ein Spiel verpassen als eine Saison riskieren. Für Dahmen bedeutet es die nächste Chance, sich für die EURO 2025 zu empfehlen – oder zumindest für die Reserve-Liste. Die Uhr tickt, der Wettbewerb im Torraum ist offener denn je.
Am Freitag um 20.45 Uhr steht er im St.-Jakob-Park zwischen den Pfosten. Vielleicht nur 90 Minuten, vielleicht der Anfang von mehr. Die DFB-Führung hofft, dass danach keine weiteren Nachrücker nötig sind. Die Realität lehrt: Die nächste WhatsApp-Nachricht mit dem roten Ausrufezeichen ist nur eine Trainingseinheit entfernt.
