Sturm graz: angriffskrise lähmt meister – ingolitsch bangt!
Graz – Die Titelverteidigung von Sturm Graz gerät gehörig ins Wanken. Gegen die Austria Wien trennten sich die Grazer erneut unentschieden, diesmal mit 1:1. Das vierte Remis in Serie verdeutlicht eine erschreckende Entwicklung: Sturm Graz hat in der Meistergruppe die Torriecher verloren und die Tabellenführung an den Erzrivalen Red Bull Salzburg abgegeben.

Defensive stabil, angriff kraftlos
Nach dem Winterwechsel von Sandro Ingolitsch hat die Abwehrarbeit der Grazer zweifellos an Boden gewonnen. Doch die Offensive gleicht einer Wüste. „Mit Ausnahme von Kiteishvili muss man die Torjäger mit der Lupe suchen“, kritisiert Sky-Experte Marc Janko unmissverständlich. Das ist eine Ansage, die schmerzt, denn ein ernstzunehmender Angriff ist für den Erfolg eines jeden Teams essentiell.
Die Grazer präsentierten sich erneut machtlos. Seit fast 400 Minuten ist Sturm ohne Tor aus dem Spiel heraus. Die Stürmer Seedy Jatta, Maurice Malone, Axel Kayombo und der im Winter verpflichtete Rory Wilson konnten in den sieben Spielen der Meistergruppe zusammen nur ein einziges Tor erzielen – ein erschreckender Wert, der Fragezeichen aufwirft, wie die Scouting-Abteilung vorgegangen sein muss.
Trainer Ingolitsch steht vor einer Mammutaufgabe. „Wir müssen uns etwas überlegen, dass wir wieder torgefährlicher werden“, so der Coach nach dem Spiel. Die Herausforderungen sind offensichtlich: „Jeder Gegner kommt hierher, rührt den Beton an und stellt den Mannschaftsbus hinten rein. Das zu bespielen, ist das Schwierigste auf der Welt.“
Auch verletzungsbedingte Ausfälle von Leon Grgic, Filip Rozga und Belmin Beganovic erschweren die Situation zusätzlich. Paul Koller konnte mit seinem ersten Tor für Sturm Graz zwar die erste Heimniederlage unter Ingolitsch verhindern, doch der Jubel war getrübt. „Wieder ein X, bitter, wir brauchen zu Hause Siege. Wir müssen in Salzburg voll anschreiben, nur das zählt im Titelrennen.“
Die Austria Wien ihrerseits sah in dem Spiel ein „Spiegelbild unserer Meistergruppe“, wie Kapitän Manfred Fischer bemerkte. Ein frühes 1:0 durch Tin Plavotic ließ Hoffnungen auf den Sieg aufkommen, doch Sturm Graz drückte in der Folge. Die Violetten können rechnerisch keine Meisterschaft mehr anstreben, aber die Partie offenbarte erneut die Schwächen im Abschluss. Die Konzentration in entscheidenden Momenten fehlte.
Die Grazer müssen nun in Salzburg gewinnen, um im Titelrennen zu bleiben. Die Aufgabe ist enorm, doch die Hoffnung darf nicht sterben. Die Frage ist, ob Ingolitsch die richtigen Mittel findet, um die Offensive wiederzubeleben und die Grazer zu einem Sieg zu führen. Denn eines ist klar: Ohne Tore kann Sturm Graz den Titel nicht verteidigen.
