Skandal erschüttert kolumbiens größten sender – moderatoren fliegen nach vorwürfen

Die Maske ist gefallen. Ricardo Orrego, das Gesicht von Gol Caracol, und Jorge Alfredo Vargas, 20 Jahre das Aushängeschild von Noticias Caracol, sind raus – nicht mit Pauken und Trompeten, sondern im Sturm von Vorwürfen sexueller Belästigung und Machtmissbrauch.

Die Bombe platzte am 7. Februar 2026. Eine Userin namens Irista postete Screenshots, die Orrego 2019 schrieb: „Ich würde dich gern bald hier sehen.“ Sie war 17, auf einem Benefizevent mit ihren Eltern. Die Chat-Historie zieht sich bis 2022, 2024 – bis vor drei Tagen. Eine andere Journalistin, Kathy Lambis, legte Nachrichten aus 2020 nach: „Lad mich auf deine Terrasse ein, dein Lächeln macht mich fertig.“ Sie kannten sich nicht.

Der sender schweigt, die frauen reden

Der sender schweigt, die frauen reden

Caracol sendet weiter, als wäre nichts geschehen. Die Stühle von Vargas und Orrego bleiben leer, doch kein Erklärfilm, kein Statement. Kollegin Mónica Rodríguez wettert im Netz: „Wenn wir nicht einmal unsere eigenen Leute schützen, wie wollen wir dann die Wahrheit erzählen?“

Die Antwort der Betroffenen kommt per Anwalt. Orrego: „Kündigung einseitig, keine abgeschlossene Disziplinaruntersuchung.“ Vargas: „Ausgetauscht in beiderseitigem Einvernehmen, mein Gewissen ist rein.“ Beide berufen sich auf die Unschuldsvermutung – ein Recht, das ihnen zusteht, das aber nicht verhindert, dass der Ruf des Senders in den Abgrund rutscht.

Die Zahler sind die Zuschauer. Seit Montag verliert Caracol laut Marktforschung 11 % seines Prime-Time-Shares. Die Werbekunden ziehen sich zurück, die Hashtags #MeTooCaracol und #FueraOrrego türmen sich. Und noch ist kein Ende in Sicht: Mindestens fünf weitere Journalistinnen wollen in den nächsten Tagen an die Öffentlichkeit gehen.

Die Glotze schlief jahrzehntelang durch – jetzt klingelt der Wecker. Ob Caracol den Knall noch abfedern kann, entscheidet sich in den kommenden Stunden. Eine Sache steht fest: Wer das Vertrauen der Zuschauer verspielt, verliert nicht nur Moderatoren, sondern die Lizenz, Geschichte zu erzählen.