Schöningen fegt pauli hinweg: 5:0-kantersieg im kellerduell

5:0 lautete die Antwort des FSV Schöningen auf alle, die ihm den Klassenerhalt schon abgeschrieben hatten. Gegen St. Pauli II lief alles zusammen, was Trainer Christian Benbennek seit Monaten einimpft: taktische Flexibilität, Erfahrung und der Glaube an die eigene Stärke.

Von null punkten nach fünf spielen zum rekordsieg

Der August gehört längst den Archiven an. Damals stand Schöningen auf dem letzten Platz, Präsident Karsten Kräcker klingelte das Telefon: „Ein paar Spinner wollten mir einen neuen Trainer andrehen.“ Er lehnte ab, Benbennek blieb. Am Samstag stellten seine Kicker den höchsten Sieg der Klubgeschichte ein – 5:0, bislang unerreicht in Ober- oder Regionalliga.

Die Tore waren nur die Spitze. Entscheidender ist das, was Benbennek „Reife auf Knopfdruck“ nennt: Die Mannschaft wechselte während des Spiels dreimal die Formation, ohne sich zu verlieren. Mittelfeld-Routinier Federico Palacios dirigerte, Christian Skoda kam von der Bank und erzielte sein 83. Regionalliga-Tor. Hinten hielt Brian Behrendt die Null – erstmals seit 18 Partien.

Quantensprung mit 11.000 einwohnern im rücken

Quantensprung mit 11.000 einwohnern im rücken

Die Stadt Schöningen zählt 11.000 Einwohner, das Stadion fasst 2.500 – und liegt seit dem Relegationssieg 2024 in der vierten Liga. Zwei Aufstiege in drei Jahren verlangten Tribut: fehlende Infrastruktur, provisorische Kabinen, ein Trainingsplatz, der bei Dauerregen glänzt wie ein See. Doch wer mit dem Regionalliga-Kader spricht, merkt: Die Spieler lieben diese Imperfektion. „Wir sind keine Hotelmannschaft“, sagt Daniel Reiche, 36, ehemals VfL Wolfsburg. „Wir sind Handwerker, die sich reinhauen.“

Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Reiche will keine Entscheidung überstürzen, doch die Chemie stimmt: „Jeder Einzelne weiß, warum er morgens aufsteht.“ Das Ziel ist nicht Europa, sondern der 15. Platz. Alles andere sei „Projektion für PowerPoint-Fußball“, wie Benbennek trocken anmerkt.

Neun spiele in 36 tagen – der abstiegsrechner tickt

Neun spiele in 36 tagen – der abstiegsrechner tickt

Am Freitag gastiert Schöningen beim VfB Lübeck, danach folgen Hannover II, Hildesheim, Eintracht Braunschweig II. Alle vier Tage ein Spiel, dazwischen Personalchaos: Sperren, Muskelbündelrisse, Nachwuchsspieler, die noch die Schule schwänzen müssen, um auf der Bank zu sitzen. „Wir haben kein Etat für Rotation“, sagt Benbennek. „Wir haben eine Idee: Step by Step.“

Der Coach will die Siege nicht als Selbstgänger verkaufen. „Wenn wir glauben, 5:0 wiederholt sich von alleine, fliegen wir auf die Schnauze.“ Die Mannschaft habe gelernt, „dass Dominanz nur funktioniert, wenn jeder zweite Ball wie ein Pokalentscheid behandelt wird“. Die Zahlen sprechen für ihn: Seit Oktober holte Schöningen 19 von 30 möglichen Punkten – nur drei Regionalliga-Klubs sammelten mehr.

Ein dorf, das sich traut

Ein dorf, das sich traut

Am Spielfeldrand steht ein Bauer und lässt seinen Traktor laufen, weil er nach Abpfiff Rasen walzen will. Die U15 verkauft Würstchen, die Mutter des Linksverteidigungs kassiert an der Kasse. Der Präsident trinkt nach dem Spiel ein Alkoholfreies mit den Fans, die ihn duzen. Kein VIP-Bereich, keine Tageslicht-LED-Werbung – nur der Glaube, dass Fußball mehr ist als ein Geschäftsmodell.

Die Liga wird kleiner: Am Ende der Saison steigen vier Teams ab. Schöningen liegt drei Punkte über dem Strich. Die nächsten Wochen entscheiden, ob der Rekordsieg Geschichte bleibt oder der Startschuss für eine neue war. Benbennek zieht seine Kappe tiefer: „Wir haben keine Sekunde Zeit, zu feiern. Aber wenn wir drinbleiben, feiern wir bis Montag.“