Rocco papaleo fährt mit gefängnisbus ins kino – und erzählt von taxi-coup nach paris

Ein gelber Schulbus rollt durchs grüne Pollino-Gebirge, Frauen in Haftkleidung entdecken uralte Loricato-Kiefern – und plötzlich steckt Basilicata wieder im Kinokessel. Der Mann am Steuer des Projekts heißt Rocco Papaleo, 66, Schauspieler, Regisseur und geborener Laudiot aus Lauria. Sein fünfter Spielfilm „Il bene comune“ startet diese Woche, doch das eigentliche Stück Kino lieferte schon die Pressefahrt: 1 800 Euro zahlte Papaleo einst für ein Taxi von Mestre nach Paris – 11 Stunden Nonstop, weil das Flugzeug wegen eines abgelaufenen Ausweises absagte.

Die Idee zu seinem neuen Film kam ihm, während er selbst durch das Unesco-Biosphärenreservat tingelte. „Ich sah diesen knorrigen Loricato-Baum und dachte: Wenn der überlebt, warum nicht diese Frauen?“ sagt er. Also lud er Claudia Pandolfi, Vanessa Scalera und Teresa Saponangelo in einen umfunktionierten Schulbus und ließ sie über Serpentinen kippeln. Die Kamera folgte, der Bus wurde zum rollenden Gefängnis, das Gebirge zur Therapie.

Vom lui-scooter zur alfa – papaleos wilde fahrstühle

Früher saß er selbst nur hintenauf. „Ich war Beifahrer auf dem Innocenti Lui eines Freundes, orange, futuristisch, vor 50 Jahren das E-Scooter der Seele“, erzählt er und lacht über die Kurven um Lauria. Heute wechselt er zyklisch Langzeitmietwagen, momentan eine Alfa Romeo – Modellname entfallen, Soundtrack bleibt. „Sie ist bequem, ein bisschen aggressiv, so wie mein Humor.“

Die Taxifahrt nach Paris ist inzwischen Legende unter italienischen Theatermachern. Produzenten winkten damals mit Bordkarten, er kam trotzdem – ausgerechnet im Taxi. „Die haben gedacht, ich wäre ein Star, der sich das leistet. Ich war nur ein verzweifelter Mann mit abgelaufenem Pass.“ Die 1 800 Euro nahm er später mit einem Lächeln in die Steuererklärung – Kategorie „Bildungsreise“.

Warum der gelbe bus niemals fahrgäler bleibt

Warum der gelbe bus niemals fahrgäler bleibt

Papaleo selbst wollte das Lenkrad im Film nicht übernehmen. „Regie und Busfahren gleichzeitig? Das hätte gedreht, aber nicht gedreht.“ Also engagierte er einen echten Busfahrer aus Lagonegro, der seit 30 Jahren Kinder durch dieselben Kurven kutschiert. Die Insassen diesmal: Frauen, die ihre Freiheit kurz vor Ende verbüßen. „Der Bus wurde zur Bühne, das Gebirge zum Publikum“, sagt er. Und weil das Kino Italien liebt, wenn es sich selbst entdeckt, dürfte der Film ebenso wie seine Vorgänger („Basilicata coast to coast“) zum regionalen Kassenschlager werden.

Die Moral von der Geschicht? „Manchmal muss man einfach einsteigen, egal ob Lui, Alfa oder Taxi – und durchziehen.“ Papaleo nickt, zündet sich eine Zigarette an und steigt in eben jene Alfa, Modell unbekannt, Soundtrack laut. Der Motor heult auf, der Regisseur grinst: „Das nächste Mal vielleicht mit Elektro – aber nur, wenn ich wieder vorne sitzen darf.“