Raiplay veröffentlicht alle sechs folgen von le libere donne – soavi wirft den vorhang auf
Die komplette Serie liegt bereits vor, doch heute Abend zündet Rai 1 trotzdem den Prime-Time-Turbo: Michele Soavis Psychiatrie-Drama Le libere donne startet um 21.25 Uhr in die zweite Folge – und liefert sofort den nächsten Schlag gegen toxische Männlichkeit.
Ein arzt, ein irrenhaus, ein ganzes land im krieg
Die Handlung basiert auf dem gleichnamigen Roman von Mario Tobino, doch die Serie rückt die Frauen in den Vordergrund. Lino Guanciale verkörpert den jungen Psychiater, der 1944 im Sanatorium Maggiano die Zügel übernimmt. Seine Mission: das System von Zwang und Schweigen sprengen. Vor allem Margherita Lenzi (Grace Kicaj) zieht ihn in den Sog ihrer Geschichte. Sie landete nackt auf dem Dorfplatz – nicht wahnsinnig, sondern auf der Flucht vor einem gewalttätigen Ehemann. Tobino glaubt ihr. Das Gericht nicht. Die Konsequenz: Isolationszelle statt Schutz.
Parallel schlägt eine zweite Front auf. Die Partisanin Paola Levi (Gaia Messerklinger) schmuggelt die jüdische Marta durch deutsche Kontrollpunkte. Das Lazarett wird zum Versteck, der Hunger zur tickenden Bombe. Wenn die Patientinnen revoltieren, steht die Kamera so nah, dass man das Rattern der Magen hört.

Drehorte, cast und der clou am ende
Gedreht wurde zwischen Lucca und Viareggio, an Originalschauplätzen, die noch die Kriegsluft einatmen. Neben Guanciale und Kicaj glänzen Fabrizio Biggio als charismatischer Pfarrer und Paola Sambo als Nonne, die heimlich Waffen schmuggelt. Autoren Peter Exacoustos und Laura Nuti verzichten auf Heldenpathos. Stattdessen montieren sie eine Kette von Mikro-Akten zivilen Widerstands. Der Effekt: jede Episode endet mit einem Stich in den Magen, nicht mit einem Schulterschluss.
Die sechs Folgen liegen seit gestern komplett auf RaiPlay – ein kalkuliertes Risiko. Soavi setzt auf Binge-Viewing, bevor die Lineare Ausstrahlung überhaupt Fahrt aufnimmt. Die Quote von Folge eins spricht für ihn: 5,8 Millionen Zuschauer, 26,4 % Marktanteil. Die Botschaft: Wer Geschichte erzählen will, muss heute zwei Takte gleichzeitig spielen – Stream und TV.
Für Sportfans ein Nebenschauplatz? Nicht ganz. Wer sich fragt, wie Kimi Antonelli einst mit dem Go-Kart auf Lewis Hamilton jagte, findet zwischen den Episoden auf RaiPlay ein Easter-Egg-Video. Tobino und Formel 1 – zwei Welten, ein Sender, null Langeweile.