Raab zerreißt sich die hand und rettet union den klassenerhalt

Matheo Raab spielte mit gebrochenem Handgelenk, bandagiert wie ein Boxer und Tränen in den Augen – und wurde zum Matchwinner. In der 96. Minute kratzte der 27-jährige Debütant einen Kopfball von Lucas Höler aus dem Winkel, der schon als Tor galt. Sekunden später pfeift Sven Jablonski ab. Union gewinnt 1:0 in Freiburg, springt auf 31 Punkte und hat sieben Zähler Vorsprung auf Relegationsplatz 16. Die Hand? „Wird schon wieder“, sagt Raab und schluckte die Schmerzen runter.

Warum baumgart nach dem sieg trotzdem wütend war

Steffen Baumgart zog sich die Kapuze tief ins Gesicht, als er in die Kabine ging. Der Trainer hatte soeben die Erlösung gesehen – und gleichzeitig das nächste Problem. Sein Ersatztorhüter taumelte mit blutunterlaufenen Fingern in den Katakomben, links Handgelenk dick wie ein Ball. „Wir müssen bis Dienstag wissen, wie schlimm es ist“, sagt er. Denn Frederik Rönnow laboriert weiter an den Füßen, und nun droht Union das zweite Torhüter-Desaster innerhalb von vier Wochen.

Die Szene, die alles entschied, war kurios. Freiburg wirft alles nach vorne, Anthony Rouault chippt die Kugel in den Strafraum. Bruno Ogbus hechtet, Raab kommt raus, beide prallen zusammen. Die Hand des Keepers knallt gegen Ogbus‘ Hüfte – und gegen den Rasen. Elfmeter? Jablonski winkt ab. Video-Assistent Tobias Welz bestätigt nach 35 Sekunden Check: Ball zuerst, keine rote Karte. „Ich hab nur gedacht: bleiben, kämpfen, halten“, sagt Raab. Die Parade folgte auf dem Fuß. Höler nickt aus sieben Metern, Raab fliegt, rechte Hand, Schmerz, aber drin. Stadion verstummt, Union jubelt.

Jeongs treffer war nur die kirsche – raab war der kuchen

Jeongs treffer war nur die kirsche – raab war der kuchen

Woo-Yeong Jeong schob in der zweiten Minute der Nachspielzeit ein, nachdem Kevin Volland eine Ecke verlängert hatte. Doch die Berliner wissen: Ohne Raab wäre der Treffer nichts wert gewesen. Die Zahlen sprechen Bände: Sieben Saves, drei davon als „big chances“ laut Opta, Expected Goals gegen Union 1,8 – trotz Unterzahl nach dem Wechsel von Verteidiger Diogo Leite. „Er hat uns den Arsch gerettet“, sagt Volland, der selbst vor zwei Jahren mit Mainz in den Play-downs war. „So einen Tag muss man feiern, egal wie die Hand aussieht.“

Union kehrt mit 31 Punkten zurück, dem besten Rückstand seit dem Aufstieg 2019. Der Restprogramm? Gladbach, Heidenheim, Bochum, Leipzig. Baumgart will keine Prognose abgeben, aber er sagt: „Wenn wir so weiterspielen, bleiben wir drin.“ Die Frage ist nur: mit wem im Tor? Rönnow trainiert nur mit Sandkasten-Belastung, Raab muss am Montag zur MRT. Eine Operation würde ihn vier Wochen kosten – die Saison ist in fünf vorbei. Die Lösung könnte Yannic Stein heißen, 21, bisher nur zweite Liga-Pause. Oder doch ein Not-Kurzvertrag? „Wir schauen“, sagt Sportchef Oliver Ruhnert und grinst gequält. „Aber erstmal gönnen wir uns einen Kaffee und ein bisschen Schlaf.“

Raab selbst hat andere Pläne. Er will die Hand kühlen, die Schiene abnehmen und am Dienstag wieder aufs Feld. „Wenn der Club ruft, bin ich da“, sagt er. Dann lacht er, das Lächeln eines Mannes, der gerade erkannt hat, dass manchmal der Schmerz der Beweis ist, dass du lebst – und dass du spielst. Union lebt. Und Matheo Raab ist der Grund.