Pirlos frau packt aus: raketen über dubai – „ich dachte nur: reifen, tank, weg!
Valentina Baldini schläft nicht mehr ruhig. Um 2.37 Uhr Ortszeit zuckt über dem Villenviertel von Dubai ein schwarzer Schatten, dann kracht es. Die Fenster der Villa von Andrea Pirlo beben. „Ich hab gedacht, das ist ein Flugzeug, das einfach zu tief fliegt. Sekunden später knallt es. Schwarzer Himmel, roter Blitz. Ich zähle meine Chargen: Reifen, Tank voll, Kindersitze – und weiß, dass ich maximal 100 Kilometer komme, bis die Warnsanduhr leer ist.“
Die nacht, in der die serie a zu hause blieb
Während in Italien die Gazetten vom dritten Weltkrieg faseln und WhatsApp-Ketten von leeren Supermärkten kursieren, schickt die Ehefrau des ehemaligen Juve-Coaches aus dem Wüstenstaat ein Funksignal, das klingt wie ein Gegenentwurf zur Panikmache. „Die Läden hier sind voll. Die Taxis fahren. Die Krankenhäuser funktionieren. Die Restaurants kochen. Und trotzdem: Wer in der Nacht eine Rakete über sich hinwegbrausen hört, dem bleibt das Lachen im Halse stecken.“
Die Szenerie ist bizarr. Pirlo selbst schläft – wie immer. „Er kann selbst im Beben eines Seismographen durchschlafen“, lacht Baldini, die als Kunstadvisorin in den Emiraten arbeitet. „Ich hingegen liege wach, taste nach dem iPhone und sehe, dass die italischen Gruppenchats explodieren. Die ersten Witze kommen aus Mailand: ‚Passt auf, dass Pirlo nicht beim Gähnen einen Bogen über den Persischen Golf schlenzt.‘ Typisch italienisch: Man macht sich schon lachend die Hölle warm.“

Warum der himmel über dubai plötzlich zitterte
Am 28. Februar hat Israel ein iranisches Munitionsdepot in der Nähe der Grenze zu Syrien angegriffen. Die US-Regierung zieht ihre Staatsbürger aus 14 Ländern des Nahen Ostens ab. Dubai aber – 1.600 Kilometer Luftlinie von Teheran entfernt – gerät ins Kreuzfeuer der Nachrichten. „Die Empörung ist groß, aber die Realität sieht anders aus“, sagt Baldini. „Die Leute hier kaufen weiter ein, bestellen ihren Kaffee to go, gehen zur Arbeit. Das einzige, was wirklich ausverkauft ist: die Batterien der Rauchmelder. Die haben alle wegen der Vibrationen angeschlagen.“
Was bleibt, ist ein Nachgeschmack von Verlassenheit. „Die italischen Fernsehsender schalten Live-Bilder aus Abu Dhabi, zeigen halb leere Flughäfen, die es gar nicht gibt. Ich schicke ihnen ein Selfie vom vollen Carrefour – keine Antwort. Panik verkauft besser als Normalität.“
Und der ball rollt weiter
Am nächsten Morgen trainiert Pirlo wie immer um 8.30 Uhr. Die FC United of Dubai – ein Klub für Nachwuchstalente – läuft Bälle, nicht Bunker. „Er hat gesagt: ‚Wenn wir aufhören zu spielen, gewinnt der Terror.‘ Also laufen die Kids weiter Slaloms, ich buche weiter Galerien und die Sonne scheint, als wäre nichts gewesen.“
Die Botschaft ist klar: Wer sich von Drohnen und Raketen einschüchtern lässt, verliert schon vor dem Anpfiff. Baldini lacht, aber ihre Stimme wird leiser: „Ich habe gelernt, dass 100 Kilometer Reichweite reichen können, um die eigene Angst zu überholen. Die Lösung ist nicht weglaufen, sondern weitermachen. Morgen gibt’s wieder Pasta al dente – und vielleicht ein Tor von Pirlo, diesmal nicht mit dem Ball, sondern mit der Forderung, nicht draufzugeben.“
Die Serie A ruft, der Trainerstab sitzt im Flieger. Für Valentina Baldini bleibt ein Satz, den sie in ihr iPhone tippt, bevor sie einschläft: „Wenn du morgens aufwachst und die Palmen stehen noch, hast du gewonnen. Alles andere ist Stoppzeit.“
