Philipsen zieht in flandern die trumpfkarte – van aert und van der poel schlagen zu spät an
Jasper Philipsen hat sich die 88. Ausgabe der ehemaligen Gent–Wevelgem unter den Nagel gerissen – und das, obwohl Mathieu van der Poel und Wout van Aert bis zum letzten Kilometer alles versuchten, um dem Massensprint aus dem Weg zu gehen. Doch Filippo Ganna zog das Feld im Rücken der beiden Superstars wieder zusammen, katapultierte die Entscheidung zurück auf die Rampe und lieferte Philipsen die perfekte Bühne.
Der Belgier bedankte sich mit einer fulminanten Schlussphase, setzte sich vor Andreas Kron und Christophe Laporte durch. Matteo Trentin wurde Sechster, Jonathan Milan hingegen hatte Pech: Technischer Stress und ein Riss im Getriebe stoppten seinen Angriff früh.
Die attacke, die fast gelingen wollte
Van der Poel und Van Aert hatten sich nach 70 Kilometern abgesetzt, 45 Sekunden Vorsprung, 35 km/h Durchschnitt – das Duell der Giganten schien vorentschieden. Doch Ganna erkannte die Lücke, schaltete zwei Gänge höher und zerriß das Bündnis aus purem Tempo. „Das war kein Zug, das war ein Turbo“, sagte Alpecin-Sportdirektor Christoph Roodhooft später. „Wir wussten, dass Jasper nur eine Chance braucht.“
Die Chance kam im letzten Kilometer. Philipsen schlängelte sich an der Mauer entlang, fand den Windschatten von Van der Poel und sprintete aus dessen Schlußrad heraus. Mit 71 km/h jagte er über die Linie – genau 0,14 Sekunden vor Kron, 0,27 vor Laporte. Die Uhr stoppte bei 4:21:36 Stunden, die Zuschauer johlten, als hätten sie die alten Filmklassiker von Museeuw und Van Looy wiedergefunden.

Ein sieg mit geschichte
Philipsen gewann diese Rennserie bereits 2019 – damals noch unter dem Namen Gent–Wevelgem. Seitdem trägt die Veranstaltung das Label „In Flanders Fields“, ein Gedenken an die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs. „Jeder Meter Asphalt hier hat Blut und Schlamm gesehen“, sagte er. „Deswegen ziehe ich jedes Mal tief Luft, bevor ich starte.“
Die Statistik spricht für sich: Seit 2019 hat Philipsen 18 Sprints in Flandern gewonnen, nur Sam Bennett liegt in dieser Zeitspanne mit 20 Siegen knapp voraus. Doch anders als der Ire braucht Philipsen keine Berge, um sich durchzusetzen – er braucht Nerven aus Stahl und ein Team, das ihm den Rücken freihält. Beides hatte er am Freitag.
Die Saison ist noch jung, aber die Signale sind klar: Wer in Flandern sprintet, sprintet gegen Philipsen. Und wer in Flandern attackiert, braucht mehr als ein Solo – man braucht einen Ganna, der das Feld wieder zusammenführt, und einen Plan B, der funktioniert, wenn Plan A scheitert.
Der nächste Showdown steigt in knapp zwei Wochen in Roubaix. Philipsen wird wieder dabei sein. Und Van der Poel. Und Van Aert. Die große Frage lautet nicht mehr, ob es spektakulär wird – sondern nur, wer diesmal die letzte Antwort parat hat.
