Kornetka löst braunschweigs not-parade aus – und behält öfb-job
Lars Kornetka trägt zwei Uhren. Eine zeigt Kalifornien, wo er mit Ralf Rangnick die WM vorbereitet. Die andere tickt in Braunschweig, wo er seit Mittwoch die 2. Bundesliga vor dem Absturz retten soll. Die Eintracht holt sich einen Coach, der offiziell noch Co-Trainer von Österreich ist – und das soll kein Problem sein.
„Ich sehe keine probleme“ – kornetkas erste diagnose
48 Stunden nach der Entlassung von Heiner Backhaus saß der 48-Jährige in der Lion-Kantine, strahlte Ruhe aus und sprach lieber von Potenzialen als von Tabellen-Notstand. „Gegenpressing ist alternativlos“, sagte er und klang dabei wie ein Software-Update. Ballverlust, sofort umschalten, alle mit. Die Spieler hörten zum ersten Mal einen Trainer, der gleichzeitig Länderspiel-Pause mit Rangnick plant.
Die Vertragslaufzeit bis 2028 ist ligafrei. Das heißt: Kornetka darf während der WM-Gruppenphase in Katar zwischen Trainingseinheiten in Doha und Videoanalysen in Braunschweig pendeln. Geschäftsführer Benjamin Kessel nennt das „flexible Arbeitsmodell“. Kritiker nennen es Teilzeit-Retter.

Der paderborn-knackpunkt, der auch einen sieg nicht hätte retten können
Intern war die Entscheidung längst gefallen. Das 1:2 gegen Preußen Münster war nur der letzte Funke. Schon die erste Hälfte beim 1:1 in Paderborn – mit dem irregulären Ausgleich in der 98. Minute – galt Kessel als „inhaltlich nicht gut“. Er telefonierte mit Kalifornien, wo Kornetka gerade das Kopfkissen wegdrückte. Zeitverschiebung 9 Stunden. Trotzdem: „Wir brauchen keinen Feuerwehrmann“, betonte Kessel. Die Mannschaft brauche einen System-Coach, keinen Krisenmanager.
Am Samstag um 13 Uhr gegen Fortuna Düsseldorf ist Premiere. Kornetka wird an der Seitenlinie stehen, danach wieder in Rangnicks Schatten. Die Frage ist nicht, ob das Modell aufgeht. Die Frage ist, wie viele Punkte bis zur Winter-WM noch übrig sind.
Braunschweig spielt sich mit 16 Zählern auf Relegationsplatz. Die Tabelle lügt nicht. Kornetkas erste Aufgabe: Gegen die verletzungsgeplagte Fortuna drei Punkte holen – und dann in der Länderspielpause per Zoom die österreichische Defensive sortieren. Ein Experiment mit Verfallsdatum. Erfolgt der Klassenerhalt, ist Kornetka Held. Misslingt er, bleibt trotzdem ein Lehrstück: Du kannst zwei Jobs haben, aber nur eine Seele pro Klub.
