Hulk wirbelt brasilianisches finale in 23-rot-karten-chaos
23 Rote Karten nach Abpfiff – das Campeonato-Mineiro-Finale schlug alle Rekorde. Hulk, 39, Ex-Europacup-Sieger und eigentlich Familien-Vorbild, drehte in Belo Horizonte auf und schlug Cruzeiro-Profi Lucas Romero mit offener Hand. Sekunden später sprintete auch BVB-Zugang Kaua Prates über den Rasen, um sich einzumischen. Das Spiel stand 1:0 für Cruzeiro, doch das Ergebnis war plötzlich Nebensache.
Was den schiedsrichter kalt ließ
Referee Matheus Delgado Candancan blieb in den Tumulten stumm. Während Sicherheitskräfte und Militärpolizei zwischen den Rudeln trennten, zückte er keine einzige Karte – erst hinterher, im Kabinett. Dort trennte er akribisch auf, wer wen geschubst, getreten oder geboxt hatte. Die Liste liest sich wie ein Kriegsbericht: 15 Cruzeiro-Akteure, acht Atlético-Mineiro-Spieler, darunter eben Hulk und Prates. Der Rekord der brasilianischen Fußball-Union liegt bei 19 Roten, 2026 also bereits Geschichte.
Die Eskalation war vorprogrammiert. Schon in der Vorbereitung hatte Hulk den Unparteiischen gewarnt: „Wenn du keine klare Linie zeigst, wird es krachen.“ Tatsächlich ließ Candancan fouliges Einsteigen laufen, das Publikum kochte. Die Initialzündung lieferte Cruzeiro-Stürmer Christian, der Torwart Everson rüde umraste – zu spät, zu hart, zu provokant. Everson konterte mit einem Knie in Christians Rücken, Romero flog mit dem Sprungkick dazwischen, Villalba trat zurück, Hulk schlug. Kettenreaktion pur.

Bvb-zugang prates liefert erste negativ-schlagzeile
Für Kaua Prates ist der Vorfall ein unschönes Willkommensgeschenk an Deutschland. Der 18-jährige Mittelfeld-Talent wechselt im Sommer für rund acht Millionen Euro nach Dortmund, soll das zukünftige 6-Profil formen. Statt technischer Leichtigkeit präsentiert er deutschen Fans nun ein Twitter-Video, das ihn mit der Rückennummer 36 beim Tritt gegen Atléticos Matheus Henrique zeigt. BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl reagierte sofort: „Wir werden das intern besprechen. Fairplay ist nicht verhandelbar.“
Hulk ruderte postwendend zurück. „Ich habe meine Kinder im Stadion sitzen gehabt, das schämt man sich für“, sagte er bei SporTV. „Aber wenn ein Teamkollege niedergestreckt wird, reagiert man – das ist tierisch, nicht menschlich.“ Den Schiedsrichter machte er weiterhin verantwortlich: „Er verlor die Kontrolle, wir verloren die Nerven.“ Cruzeiro-Coach Pepa konterte mit harter Schadensbegrenzung: „Gewalt hat keinen Platz, egal wie unfair das Foul war.“

Die strafe folgt dem schlag
Der Minas-Gerais-Sportgerichtshof leitete bereits Ermittlungen ein. Mehrfach-Täter drohen Sperren zwischen vier und zwölf Spielen, was Hulk bis zur Winterpause auszeichnen würde. Für Atlético Mineiro kommt es noch dicker: Fan-Ausschreitungen außerhalb des Stadions führten zu 17 Verletzten, die Polizei zog Gummigeschosse. Sponsoren wie MRV und Banco Inter prüfen laut „O Tempo“ den Rückzug von Werbeverträgen. Ein Imageschaden, der sich in Real-Summen ausdrückt: rund 40 Millionen Reais (7,3 Mio. Euro) jährlich fließen über Einzelverträge in die Klubs.
Cruzeiro feiert denweil den 39. Staatstitel, doch der Pokal ist zerkratzt – buchstäblich. Die Organisationskommission musste die Trophäe wegen herumfliegender Tränengaskanister putzen. Belo Horizonte ist eine Stadt mit zwei Gesichtern: Jubel auf der einen, Scherben auf der anderen Seite der Straße. Die brasilianische Serie A beginnt in vier Wochen, doch die Nachwirkungen werden das Land begleiten. Denn eines ist klar: Nach 23 Roten ist kein Platz mehr für halbe Sachen.
