Ex-boxer samuel fabbri: hoffnungsschimmer in havannas schatten
In den bröckelnden Mauern Havannas, wo die Zeit stillzustehen scheint und der Duft von Zigarren und Verzweiflung in der Luft liegt, entfaltet sich eine ungewöhnliche Geschichte: Ein italienischer Ex-Boxer, Samuel Fabbri, schenkt den Jugendlichen dieser Stadt eine neue Perspektive – durch das Boxen.

Ein ring als spiegel der träume und herausforderungen
Der Film „A tu lado“ von Cristiano Regina ist keine technische Anleitung für den Boxsport. Vielmehr ist es eine berührende Dokumentation über das Streben junger Kubaner nach einer besseren Zukunft, eingefangen durch die Linse einer Kamera. Die Bilder, die von heruntergekommenen Wohnblocks bis hin zum endlosen Ozean reichen, sind mehr als nur Dekoration – sie sind Metaphern für die Träume, die in den Herzen dieser Jugendlichen schlagen und die Hindernisse, die ihnen im Weg stehen.
Die Realität in Kuba ist hart. Die wirtschaftliche Not, der Embargo, die fehlende Infrastruktur – all das prägt das Leben der Menschen. Doch inmitten dieser Widrigkeiten entsteht eine Widerstandskraft, personifiziert durch Samuel Fabbri und sein kleines Fitnessstudio, das Gimnasio de Boxeo Centro Habana. Seit über 20 Jahren bietet dieser Ort jungen Athleten eine Alternative zur Straße und vermittelt ihnen Werte wie Disziplin, Respekt und Durchhaltevermögen.
Fabbri, der sein eigenes Leben hinter sich gelassen und in Havanna ein neues Zuhause gefunden hat, sieht im Boxen mehr als nur einen Sport. Er sieht darin eine Möglichkeit, jungen Menschen Selbstvertrauen zu geben und ihnen zu zeigen, dass sie ihre Träume verfolgen können, egal wie aussichtslos die Situation erscheint. Er konzentriert sich dabei auf die Menschen, ihre Beziehungen zueinander, ihre Hoffnungen und Ängste.
Der Film begleitet insbesondere zwei Jugendliche, Haiffer und Adrialis, deren unterschiedliche Persönlichkeiten die Komplexität der kubanischen Jugend widerspiegeln. Ihre Silenziosität und ihre tiefgründigen Blicke sprechen Bände über ihre Erfahrungen und Sehnsüchte.
Regina gelingt es, die Atmosphäre Havannas und die Lebensrealität der kubanischen Jugend authentisch und einfühlsam darzustellen. Er verzichtet auf theatralische Inszenierungen und lässt stattdessen den Menschen im Mittelpunkt stehen. Die Boxkämpfe selbst sind dabei weniger wichtig als die Geschichten, die sich hinter ihnen verbergen.
Der Filmemacher betont, dass der Film nicht nur ein Dokumentarfilm über Boxen ist, sondern auch eine Reflexion über die Suche nach Identität in einem Land, das oft durch Stereotypen reduziert wird. Er unterstreicht, dass Samuel Fabbri, ein Pioniere, der es gewagt hat, eine Utopie zu verwirklichen, eine Gemeinschaft geschaffen hat, die junge Menschen auf ihrem Weg unterstützt – sowohl im Ring als auch im Leben. Er erklärt: “Ich habe mit den Jungs an der Qualität der gemeinsamen Zeit gearbeitet, indem ich ein Vorbereitungsworkshop zur Selbstausarbeitung aufgebaut habe, der sie auf eine einzigartige ästhetische, empathische, intellektuelle und soziale Erfahrung vorbereitete.”
„A tu lado“ ist ein Film, der zum Nachdenken anregt und einen Einblick in eine andere Welt gewährt – eine Welt, in der der Kampfgeist im Ring und im Leben Hand in Hand gehen. Der Film läuft ab dem 22. April in ausgewählten Kinos in Italien und wird hoffentlich bald auch in Deutschland zu sehen sein.
