Damir džumhur, der kriegsjunge von sarajevo, jagt jetzt sinner in miami
Er wurde zwischen Granaten geboren, spielte sich mit der Rackete zurück in die Weltspitze und warf selbst Carlos Alcaraz aus der Bahn. Jetzt steht Damir Džumhur vor dem nächsten K.o.-Schlag: Im zweiten Turnierdurchgang von Miami fordert er Jannik Sinner heraus – und niemand kennt den Bosnier wirklich.
Vom flak-geschoss zur atp-top-30
Sarajevo, 1992. Während die Serbenmontenegriner das Olympiastadion beschießen, bringt eine Mutter ihren Sohn zur Welt – im Keller eines Bombenlochs, drei Kilometer vom Stadion entfernt. 20 Jahre später schreibt eben jener Junge Tennisgeschichte: Džumhur steigt als erster Spieler aus Bosnien unter die besten 25 der Welt, schlägt Roger Federer im Training, spielt Hauptrolle in einem Film, der in Berlin mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wird. Doch der Höhenflug zerbricht an Kreuzbandrissen, Wettkampfroutine und der Härte des Circuit.
Die Antwort des 31-Jährigen? Zurück in die Provinz. Auf Challenger-Turnieren kassiert er Preisgeld, das kaum die Flugkosten deckt, schuftet in verstaubten Hallen und wartet auf den Moment, in dem die großen Jungen wieder zittern. Der kam in Rio: Gegen Alcaraz serviert Džumhur wie ein Sniper, wehrt Matchbälle ab, wirft den Weltranglistenersten raus – und Twitter explodiert.

Warum sinner aufpassen muss
Statistiker wälzen Datenbänke: Es gibt kein einziges Duell zwischen dem Bosnier und dem Südtiroler. Sinner mag die klare Favoritenrolle, aber Džumhur lebt von der Unberechenbarkeit, die ihn seit Kriegstagen begleitet. Seine Vorhand fliegt flacher als ein Handgranaten-Splitter, seine Return-Statistik auf Hartplatz liegt diese Saison bei 42 % – ein Wert, der selbst Daniil Medvedev ins Schwitzen bringt.
Miami, Mittagshitze. Hinter dem Court 1 summen TV-Drohnen, die Bildbeschaffer wissen: Jeder Džumhur-Auftritt ist ein Minuten-Drama. Wenn er gewinnt, schreibt er nicht nur das nächste Kapitel seiner Comic-Biografie, sondern schickt auch eine Warnung an die Top-Ten: Die Wildcard aus dem Krieg kommt noch einmal durchs Hauptfeld – und sie spielt nicht mit, sie spielt ums Überleben.
Das Match steigt am Donnerstag, Center Court, nach Sonnenuntergang. Für Sinner ist es Routine. Für Džumhur eine weitere Granate – nur dass diesmal er zielt.
