Undav schießt stuttgart auf champions-league-kurs – augsburgs heimfest endet brutal
Deniz Undav spielt Amok, Augsburg kassiert einen K.o. Der VfB Stuttgart schlägt den FC Augsburg mit 5:2 und sprintet vor der Länderspielpause auf Rang drei. Drei Punkte Vorsprung auf Leipzig, sieben auf den am Sonntag strauchelnden Meister Leverkusen – das ist kein Zwischenstand mehr, das ist ein Machtverhältnis.
Die serie lebt, die serie stirbt
Im sechsten Spiel nacheinander trifft Undav, 18 Saisontore stehen jetzt in seiner Spalte. Die 12. und 58. Minute waren nur zwei weitere Einträge in seinem Tagebuch der Unaufhaltsamkeit. Zwischen seinen Treffern hämmerte Tiago Tomás das 2:0, Nikolas Nartey 110 Sekunden später das 3:0 – ein Doppelschlag, der Augsburg entzauberte. Denn die Serie der Fuggerstädter war mehr als nur ein Statistikwert: acht Heimsiege in Folge, Rekord seit 2011/12, ein Mauerwerk aus Selbstvertrauen. Bis Stuttgart mit der Bohrmaschine kam.
Trainer Manuel Baum hatte vor der Parti noch davon gesprochen, „die richtige Schlagbohrmaschine“ zu finden. Sein Team fand nur Lücken. Stuttgart lief in keiner Phase an, wechselte fünfmal im Vergleich zum Donnerstag in Porto und wirkte trotzdem frisch wie nach einem Kurzurlaub. Die Kombinationen vor der Pause waren aus einem Lehrbuch: Stiller -> Undav, Mittelstädt -> Tomás, Nartey -> Tomás -> Nartey. Eine Symphonie in Schwarz-Rot.

Zweite halbzeit: illusion und gegenilluion
Augsburg kam mit brandheißen Wechseln, Massengo scheiterte an Nübel, Zesiger verzog aus sieben Metern. Fabian Rieder traf zum 1:3, das Stadion erwachte – und kollabierte 61 Sekunden später, als Undav den alten Abstand wiederherstellte. Anton Kade erzielte das 2:4, doch Augsburg lief fortan nur noch der eigenen Erschöpfung hinterher. Ermedin Demirovic besiegelte mit dem 5:2 den Abend, den Stuttgart in 18 Auswärtsspielen in Folge getroffen hat – ein Rekord, der seit 1984/85 auf seine Wiederholung wartete.
Die Tabelle lügt nie: Stuttgart hat jetzt 56 Punkte, die beste Ausbeute nach 27 Spielen seit der Meistersaison 2006/07. Undav? Torgefährlicher als je zuvor, aber auch cleverer: seine Vorlage auf Demirovic war die Quintessenz aus Selbstlosigkeit und Killerinstinkt. Augsburg hingegen rutscht auf Platz neun, die Europa-League-Träume sind auf Sparflamme.

Stuttgarts geheimnis heißt rotation
Sebastian Hoeneß bewies, dass ein Europa-League-Aus nicht gleichbedeutend mit Knie-Nachbrennen ist. Fünf Neue, kein Bruch, nur Fluss. Der Trainer erklärte nach dem Spiel lapidar: „Wir wollten Tempo, wir wollten Läufe – und wir wollten Deniz in der Box.“ Alle drei Wünsche wurden erhört. Die Stuttgarter Bank lieferte frische Beine, der Gegner lieferte Löcher. So entstehen Erfolgsgeschichten, nicht durch Zauber, sondern durch konsequente Belastungssteuerung.
Die Länderspielpause kommt für Stuttgart wie ein Boxstopp nach der Bestzeit. Für Augsburg bleibt die Erkenntnis: Rekordserien enden meist gegen jene Teams, die gerade dabei sind, neue aufzubauen. Die Bohrmaschine stand auf der falschen Seite des Rasens.
