Undav lässt die schere vor dem curacao-kracher sprechen
Der Sturm auf Houston beginnt im Friseursessel. Deniz Undav trat am Samstagmittag noch einmal vor die Mikrofone – diesmal nicht, um Taktik zu erklären, sondern um die Frisur für den WM-Auftakt zu verteidigen. „Es sah eklig aus, musste also ran“, sagte der Angreifer flapsig und fuhr sich mit der Hand durch frisch gestutzte, tiefschwarze Haare. Die Botschaft war klar: Wer vor dem ersten WM-Pflichtspiel gegen Curacao frisch rasiert ins Stadion will, rasiert auch die Sorgen weg.
Vom grauen schopf zum frischen selbstbewusstsein
Die Szene hatte Vorgeschichte. Bereits am Freitag hatte Undav während der Pressekonferenz seinen „Fifteen-Years-Same-Damage“-Satz in die Runde geworfen und damit kolportiert, dass die ersten grauen Strähnen schon mit 15 Jahren seinen Kopf zierte. Die Medien pickten die Anekdote sofort auf, Twitter vergaß prompt, dass gegen Curacao jemals ein Ball rollen sollte. „Jetzt ist alles wieder wie früher – nur die Grauen bleiben“, grinste er und deutete auf die kaum sichtbaren Silberfäden über den Schläfen.
Beim DFB war man vorbereitet. Im Teamquartier hält seit Jahren ein mobiler Coiffeur Einzug – kein Lifestyle-Gag, sondern altbewährtes Ritual. Schon 1962 meldete der kicker aus Santiago de Chile, dass „jeder Tag mit dem Haarkünstler beginnt“. Zwischen 15.30 und 18 Uhr durften die Spieler nicht trainieren, sondern mussten in die Hände des Barbiers. Sepp Herberger selbst ließ sich in einem separaten Büro ein tragbares Funkgerät bringen, während Soldaten die Stiefel putzten. Die Parallele zum modernen Fußball ist unübersehbar – nur dass heute die Funkgeräte Smartphones heißen und die Soldaten Medienvertreter sind.

Curacao wartet – und dabei ist die frisur längst nebensache
Um 19.00 Uhr Ortszeit in Houston wird das Haar erneut glänzen. Dann steht nicht mehr die Optik, sondern der erste Schritt Richtung K.o.-Phase im Mittelpunkt. Doch wer Undav kennt, weiß: Die Frisur ist für ihn kein Accessoire, sondern Ritualelement. „Wenn ich mich frisch fühle, spiele ich frisch“, sagte er und schob sich die Sonnenbrille auf die Nase. Die Fans im NRG Stadium werden es sehen – und vielleicht bekommt der Angreifer nach dem Abpfiff noch einen neuen Schnitt spendiert, wenn der Auftakt gelingt.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit Undav vor zwei Jahren erstmals die Schere schwingen ließ, traf er in 17 Länderspielen achtmal. Ob Kausalität oder Zufall – der Stürler pfeift drauf. Hauptsache, es sieht „nicht mehr eklig“ aus. Und wenn am Ende die Haare kurz und die Tore lang sind, wird selbst der graueste Strähne Beifall klatschen.
