Undav entfesselt: „diesmal soll der pokal nach deutschland“
Der Kölner Morgen schlägt noch nicht mal und Deniz Undav ist schon hellwach. „Ich bin eigentlich ein Morgenmuffel“, sagt der Angreifer und lacht ein zweites Mal, als er merkt, wie absurd das klingt – schließlich rechnet die DFB-Delegation heute Nacht um 01:00 Uhr Ortszeit in Houston gegen Curaçao mit dem WM-Auftakt. Die Erinnerung an 2018 und 2022 nagt noch: Null Punkte zum Start, zwei blutrote Eröffnungen. Genug.
Havertz steht, undav lauert – und er genießt es
Kai Havertz wird im Sturmzentrum beginnen, das steht fest. Doch statt zu nörgeln, schaltet Undav einen Gang höher: „Tore machen ist mein Job. Ob von der Bank oder von Anpfiff an – jeder muss für diesen Moment bereit sein.“ Neun Länderspiele, sechs Treffer. Die Quote spricht, egal ob 15 Minuten oder 90. Seine letzten beiden Tore gegen Frankreich und Italien hat er übrigens als Einwechselspieler gemacht.
Die Zahlen sind kaum ein Zufall. Im Stuttgarter Trainingslager in Winston-Salem hat Bundestrainer Julian Nagelsmann ihn in die sogenannte „Joker-Unit“ gepackt – eine Gruppe, die in Simulationen jedes Szenario durchspielt, vom Rückstand zur 90. Minute bis zur Verlängerung. „Wenn ich das Feld betrete, kenne ich die Lücken schon vorher“, sagt Undav. Er redet wie ein Schachspieler, der drei Züge vorausdenkt.

Winston-salem ist nur die haltestelle
Nach dem letzten Sprint am Samstag im BB&T-Feld rollt der Bus Richtung Houston. 280 Kilometer, drei Stunden, ein Ziel: das Stadion, das die Deutschen seit 2002 nicht mehr betreten haben. Dort, im NRG Stadium, wollen sie „ein Zeichen setzen“, wie Undav formuliert. Die Spannung steigt nicht nur bei ihm. Neben ihm im Flur des Mannschaftshotels hängt ein Ausdruck: die WM-Trophäe, schwarz-weiß, mit einem fetten Kreis drumherum. Darunter steht nur ein Wort: Pflicht.
„Wenn ich sage, ich wolle nur ins Achtelfinale, wäre ich falsch hier“, sagt Undav und wischt sich die Trainingsmütze aus der Stirn. Der Satz klingt nicht pathetisch, sondern wie eine festgeschraubte Schraube. Keine Rhetorik, nur Gewissheit. Während andere Teams noch mit K.o.-Tabellen jonglieren, hat die deutsche Kabine nur eine Farbe: Gold.
Um 19:00 Uhr deutscher Zeit geht’s los. Die Temperatur in Houston: 31 Grad, 70 % Luftfeuchtigkeit. Perfekt, um Feuer zu machen. Undav nickt, als er seine Schuhe schnürt. „Curaçao ist der erste Schritt. Danach kommt der Rest.“ Keine Frage, nur eine Ansage.
