Undav ballert sich in die nationalelf – 18 tore, eine botschaft

18 Treffer, sechs Spiele in Serie, ein Assist und ein Statement: Deniz Undav hat Augsburg mit zwei Kopfnüssen und einer Prise Selbstbewusstsein zerlegt. Die Wut über das Europa-League-Aus? Fein dosiert, direkt in die Maschen gespritzt.

Der angreifer, der sich selbst instruiert

Schon das 1:0 war kleine Meisterklasse. Luftball, Hüftdreher, Sekundenbruchteil – Undav legt sich die Kugel nochmal zurecht, verladt Torwart Finn Dahmen und versenkt cool. „Das war gut spekuliert von mir“, sagt er hinterher, als hätte er das Video schon vorab geschnitten. Selbstlob? Erlaubt, wenn die Zahlen sprechen: 18 Liga-Tore, kein Deutscher ist auch nur annähernd dran. Die Jagd auf Harry Kane nennt er scherzhaft – 31 Treffer liegen noch dazwischen, aber die Tendenz ist sein Freund.

Beim 3:0 kombiniert sich Stuttgart durch wie auf Training. Niko Nartey schiebt ein, Undav stand vorher am Zuballern bereit, lenkt aber ab. „Diese Dinger können wir gerne öfter machen“, fordert Trainer Sebastian Hoeneß. Der Coach schwärmt von der „Super-Reaktion“ nach Porto – zehn Siege in zwölf Englischen Wochen, nur eine Niederlage, wenn vorher Europapokal anstand. Die Schwaben haben offensichtlich gelernt, Donnerstag-Sonntag zu wechseln wie andere Socken.

Zwischen ego und team – undav wählt florett statt faust

Zwischen ego und team – undav wählt florett statt faust

Die 70. Minute: Chris Führichscheitert, Undav stochert den Abpraller über die Linie. „Ich habe ihm gesagt, spiel lieber ab“, scherzt er. Der Doppelpack hätte auch ein Hattrick werden können, doch beim 5:2 lädt er Ermedin Demirovic ein. Querpass, leeres Tor. „Andere hätten selbst abgeschlossen. Teamgefühl ist wichtiger.“ Sätze, die Nationaltrainer Julian Nagelsmann gern hört. Denn nächster Stopp: Länderspiele gegen die Schweiz und Ghana. „Wenn ich spiele, versuche ich zu glänzen“, sagt Undav. Die Formkurve reist mit.

Der VfB rückt auf Platz zwei vorbei am Leipziger Rasen, 61 Tore – Rekord nach 31 Spieltagen. Dahinter steckt eine Philosophie: Laufwege trainieren, Chancen seriell produzieren, Selbstvertrauen als Turbo. Undav ist ihr Aushängeschild, aber kein Ego-Projekt. „Was gibt es Besseres, als andere einzusetzen und selbst zu treffen?“ Die Frage stellt er selbst, die Antwort liefert er seit Wochen. Augsburg war nur die jüngste Staffel seiner Demo-Tour.

Die Liga schaut auf Stuttgart, Stuttgart schaut auf Undav – und der schaut nach vorne. „Kane hole ich mir noch“, lacht er. Keine Spur von Ironie, nur pure Spielfreude. Die nächsten Gegner haben bereits gewarnt: Wer den Ball nicht wegkriegt, kriegt Undav. Und der trifft zurzeit alles.