Ulbricht fliegt wieder: zweites podest in erzurum nach olympia-crash

0,31 Sekunden fehlten Leon Ulbricht am Sonntag im türkischen Erzurum, um den Sprung vom zweiten Platz auf die oberste Stufe zu schaffen. Der 21-jährige Snowboardcrosser aus dem sächsischen Breitenbrunn hatte zwei Tage zuvor schon gewonnen – und bewies damit, dass sein dritter Weltcup-Triumph kein Zufall war.

Der zwischenfall von turin ist abgehakt

In den Olympia-Kampf von Turin war Ulbricht nach einem Crash mit Teamkollege Martin Nörl gestürzt, beide schieden aus. Die Bilder gingen durch die Medien. Nun, vier Wochen später, liefert der Thüringer klare Antworten auf dem Schnee. „Das Wochenende hat genau meiner Grundperformance entsprochen“, sagte er nach dem Rennen. Keine großen Worte, keine Entschuldigungen – einfach ein Fahrer, der seine Form gefunden hat.

Die Strecke in Erzurum scheint ihm auf den Leib geschrieben. Die steilen Abschnitte und das enge Tor am mittleren Teil liegen ihm, weil er früh beschleunigen und seine beidhändige Körpertäuschung perfekt einsetzen kann. Gegner Aidan Chollet aus Frankreich profitierte diesmal von der Innenbahn nach dem ersten Drop und konnte die Führung bis ins Ziel retten.

Absagen wegen grenznähe zum iran

Absagen wegen grenznähe zum iran

Die Konkurrenz war ohnehin dünner: Kanada blieb der Reise nach Ostanatolien fern, Italien schickte keine A-Mannschaft, und auch die US-Topstars verzichteten. Grund ist die kurze Entfernung zur iranischen Grenze – nur rund 300 Kilometer Luftlinie. Die offizielle Begründung der Verbände lautet „Sicherheitsbedenken“, doch intern wissen alle, dass die geopolitische Lage den Kalender beeinflusst.

Ulbricht nimmt die Debatte gelassen. „Ich kann nur das Feld schlagen, das da ist“, sagt er. Die Statistik zeigt: Wer in den letzten zwölf Monaten zweimal in Erzurum fuhr, stand beide Male auf dem Podest – das trifft nur auf ihn zu.

Nörl sucht noch den rhythmus

Nörl sucht noch den rhythmus

Bei Martin Nörl sieht die Bilanz anders aus. Der Routinier schied zweimal im Halbfinale aus und fuhr anschließend die kleinen Finals. Platz sechs und sieben stehen in seinem Notizbuch. „Okay bis gut“ nennt er das selbst, doch die Körpersprache verrät Frust. Die Saison ist noch lang, aber jedes Rennen zählt für die Rangliste, die den Startplatz für die nächsten Weltcups bestimmt.

Die deutsche Snowboard-Chefin Sandra Ringler zeigt sich trotzdem zufrieden: „Wir haben mit Leon einen Fahrer, der konstant vorne mitfährt. Das gibt dem gesamten Team Auftrieb.“ Der nächste Weltcup findet bereits in zwei Wochen in Bakuriani statt – wieder ein osteuropäisches Berggebiet, wieder hohe Lage, wieder ungewisse Wetterbedingungen.

Ulbricht packt seine Bretter ein und fliegt nach Hause – mit 180 neuen Weltcup-Punkten im Gepäck und dem Gefühl, dass die Saison erst richtig losgeht.