Uefa rüttelt am turnierrad: 54 teams, drei staffeln, ein champion – ab 2028

Die Uefa hat gestimmt, und ab 2028 sieht die Nations League aus wie ein aufgeblasenes Champions-League-Tableau: 18 Nationen pro Liga, 54 Teilnehmer insgesamt, dafür nur noch drei statt vier Spielklassen. Mehr Gruppen, mehr Gegner, mehr Reisedistanz – und trotzdem nur sechs Spieltage bis zum Final Four. Die Botschaft lautet: wer unten landet, darf gleich zum Play-out-Ausflug nach Baku oder Belfast buchen.

Italiens albtraum: mehr spitze, weniger luft

Für die Squadra Azzurra ist der Zeitpunkt ein Witz mit fadem Beigeschmack. Gerade hat das Team gegen Bosnien das Ticket für die WM-Play-offs verbockt, jetzt droht in der neuen Serie A der Nations League ein Dauerfeuer gegen Frankreich, Spanien und Deutschland. Die alte Regelung verhalf den Viertplatzierten noch zu einer zweiten Chance; künftig rutschen die Sechstplatzierten direkt ab. Die Mathematik ist gnadenlos: bei drei Gruppen à sechs Teams zählt schon der vierte Platz alsFail.

Der Clou der Reform: Jede Mannschaft tritt viermal gegen Teams aus ihrer eigenen Setzliste an – Hin- und Rückspiel inklusive. Das soll verhindern, dass sich große Nationen vorzeitig den Ball zuspielen und kleinere Gegner nur noch zum Sparringspartner degradiert werden. Theorie klingt sexy, Praxis bedeutet für Italien, dass es gegen den ewigen Angstgegner Portugal gleich doppelt ran muss.

Quali-wirrwar: zwölf gruppen à zwölf – wer rechnet, gewinnt

Quali-wirrwar: zwölf gruppen à zwölf – wer rechnet, gewinnt

Der Dominoeffekt zieht sich bis zur WM 2030. Statt zwölf Quali-Gruppen à fünf Teams gibt es künftig drei Mega-Pools mit je zwölf Nationen. Nur die ersten vier sind sicher dabei, Plätze fünf bis acht dürfen in ein Play-off-Tableau mit den besten Zweitplatzierten der unteren Liga einziehen. Die Uefa rechnet sich mehr Spannung und weniger „Grabenkämpfe gegen den Färöer-Sturm“ aus. Für die Fans heißt das: Oktober-Länderspiele in Kasachstan, November-Rückspiel in Skopje – und das alles, ohne dass sich der Kalender verlängert.

Da Europa als Co-Gastgeber der WM 2030 mit Spanien, Portugal und Marokko mindestens zwei zusätzliche Startplätze kassiert, steigt die Chance für Mittelklasse-Teams wie die Schweiz oder Polen. Italien dagegen muss befürchten, früher oder später in ein Gruppen-Feld mit Frankreich, Kroatien und der Ukraine zu landen – ein Szenario, das selbst gestandene Taktiker ins Schwitzen bringt.

Alexander Ceferin beschwichtigt: „Weniger Belastung, mehr Thrill.“ Was er verschweigt: Die neue Variante erzeugt vor allem eins – zusätzlichen Lobbybedarf. Jeder Verband wird beim Loswurf um eine weiche Gruppe betteln, und die großen Sender schon jetzt um zusätzliche Prime-Time-Slots. Die Uefa verkauft das Projekt als Demokratisierung, kassiert aber mit Sicherheit höhere TV-Einnahmen, weil jedes Top-Duell garantiert zweimal stattfindet.

Für den Amateurfußball bleibt die entscheidende Frage offen: Wer finanziert die Extr logistik? 54 Teams bedeuten mehr Charterflüge, längere Hotelblockaden, zusätzliche Sicherheitskräfte. Die Antwort kommt spätestens, wenn der erste Nationaltrainer seinen Rücktritt erklärt, weil seine Spieler nach dem sechsten Langstreckenflug innerhalb von zehn Tagen Muskeln ohne Reaktionszeit melden.

Die Reform ist beschlossene Sache, Details folgen am 15. September in Thessaloniki. Bis dahin darf jeder Verband hoffen, im Losglück zu landen. Die Wahrscheinlichkeit spricht allerdings dafür, dass der nächste große Fußball-Winter nicht mit Schnee, sondern mit schlechten Witzen über Zufallsgeneratoren endet. Die italienische Presse übt sich schon in Selbstironie: „Wenn wir Pech haben, spielen wir gegen Brasilien – und das gleich zweimal.“