Uefa kippt quali-system: em 2028 startet mit champions-league-modus

Die UEFA hat angerissen, was viele für unmöglich hielten: Ab 2028 gibt es keine klassische Doppelrunde mehr. Statt Heim- und Rückspiel zählt nur noch ein Duell pro Gegner – wie in der Champions League. Das Exekutivkomitee unter Aleksander Čeferin billigte in Istanbul den radikalen Umbau von Nations League und Europameisterschafts-Qualifikation. 55 Verbände müssen sich neu erfinden.

Mehr drama, weniger ballast: die zahlen hinter dem coup

Die neue Nations League sortiert sich in nur noch drei Ligen à 18 Teams. Jede Mannschaft spielt exakt sechs Partien – drei daheim, drei auswärts –, allerdings nie zweimal gegen denselben Kontrahenten. Das ergibt 135 statt bisher 168 Länderspiele pro Zyklus. Die UEFA rechnet mit 23 Prozent weniger Fernflügen und einer Reduktion von 42 „bedeutungslosen“ Spielen, wie interne Dokumente verraten.

Die Gruppenauslosung folgt einem verschachtelten Bomben-Prinzip: In Liga A treffen die Top-12 automatisch auf je zwei Rivalen aus Topf 1, 2 und 3 – ein Modell, das die Klub-Version der Champions League seit Jahren erfolgswählerisch streitet, nun aber offenbar auch den Nationalteams helfen soll. „Wir wollen jede Partie zum Event erheben“, zitiert die UEFA Čeferin.

Qualifikation neu gemischt: zwölf teams pro gruppe, nur zwei direktplätze

Qualifikation neu gemischt: zwölf teams pro gruppe, nur zwei direktplätze

Die EM-Qualifikation splittet sich künftig in zwei Geschwindigkeiten. Die oberen 36 Nationen (Ligen A und B der Vorsaison) bilden drei Megagruppen mit je zwölf Teams. Pro Gruppe qualifizieren sich nur die Ersten direkt – das sind gerade einmal drei Startplätze. Die restlichen 21 Tickets vergeben Play-offs, an denen sogar Liga-2-Schwergewichte teilnehmen. Für kleinere Verbände wie Liechtenstein oder Malta bedeutet das: ein einziges Jahrhundert-Remis könnte reichen, um den großen Traum zu wahren.

Der Zeitplan bleibt trotz Mehrbelastung kompakt. Die UEFA garantiert, dass keine zusätzlichen Länderspieltage entstehen – stattdessen werden vorhandene Fenster dichter bepackt. Das erzwingt Rotationstrategien und belastet Klub-Trainer zusätzlich, die ohnehin mit Muskelbündel-Risiken jonglieren.

Premiere 2028: deutschland als gastgeber wird zur testpuppe

Premiere 2028: deutschland als gastgeber wird zur testpuppe

Die EURO 2028 findet in England, Schottland, Wales, Irland und Nordirland statt – das neue Format wird aber bereits 2027 in den Quali-Play-offs sichtbar. Deutschland tritt als automatisch qualifizierter Gastgeber der EM 2024 zwar nicht im klassischen Play-off an, muss aber für die Nations League 2028/29 ergebnisverantwortlich sein, weil die Platzierung darüber über die Setzliste für die darauffolgende EM entscheidet. Bundestrainer Julian Nagelsmann bekommt also ein gigantisches Schachbrett voller Nebenbedingungen.

Die UEFA rechnet mit einem Plus von 400 Millionen Euro durch die neue Vermarktungsrechte-Pakete. Die Erträge werden zentral an die Verbände weiterverteilt – ein durchsichtiger Versuch, Kritik aus den großen Ländern abzufedern, die befürchten, durch weniger Heimspiele Einnahmen zu verlieren.

Fazit: das ende der routine, die geburt des permanenten knockouts

Mit einem Federstrich verwandelt die UEFA Qualifikationsprozeduren, die seit 1960 Bestand hatten, in ein permanentes Turnier. Kein Geduldsspiel mehr, keine Nullnummern am dritten Samstag im November. Wer patzt, fliegt – und das schon nach 90 Minuten. Der Fußball der Nationalteams wird schneller, rücksichtsloser, lukrativer. Ob gesünder, darf bezweifelt werden.