Udo lattek: das verrückte comeback, das den bvb rettete!
Vor 26 Jahren erlebte die Bundesliga einen Moment, der in die Annalen des Fußballs einging: Udo Lattek, eine Trainerlegende, die eigentlich längst im Ruhestand war, übernahm den BVB in akuter Abstiegsgefahr und katapultierte den Verein zurück ins sichere Ufer. Eine Geschichte voller Turbulenzen, überraschender Wendungen und dem Charisma eines Mannes, der den Fußball verstand wie wenige.
Die vorgeschichte: chaos und verzweiflung in dortmund
Die Saison 2000 war für den BVB ein Albtraum. Nach dem neunten Spieltag führte die Mannschaft noch die Tabelle an, doch dann folgte ein katastrophaler Absturz. Trainer Bernd Krauss konnte den Negativtrend nicht aufhalten, und die Stimmung im Team war alles andere als gut. Eine peinliche 1:3-Niederlage gegen Unterhaching gegen Ende April verdeutlichte die Situation nur allzu deutlich. Der Abstieg drohte, und die Fans waren verzweifelt.

Die rückkehr des „deutschen jahrhundert-trainers“
Da schien die Verpflichtung von Udo Lattek wie ein Wunder. Der 65-Jährige hatte seine Trainerkarriere eigentlich schon 1993 beendet, doch sein Fachwissen und sein Charisma waren legendär. Michael Zorc, Dortmunds Sportdirektor, begründete die spektakuläre Verpflichtung mit Latteks „fachlichen Qualitäten“, die in der „dramatischen“ Situation dringend benötigt wurden. „Es war unglaublich, was für ein Charisma er ausstrahlte“, erinnerte sich Miroslav Stevic später im Gespräch mit Sport1.

Ein team aus routiniers und jungen talenten
Lattek übernahm eine Mannschaft mit erfahrenen Spielern wie Jens Lehmann, Stefan Reuter und Fredi Bobic, aber auch mit jungen Talenten. Um ihn herum agierten Matthias Sammer und Uwe Neuhaus als Co-Trainer, wobei Sammer, einst selbst noch Spieler beim BVB, eine Schlüsselrolle übernahm. „Die Rollen waren klar verteilt“, so Stevic. „Lattek hat die ganze Aufmerksamkeit der Presse auf sich gezogen, Sammer und Neuhaus übernahmen das Training.“
Ein psychologisches meisterwerk vor dem entscheidenden spiel
Das Spiel gegen Stuttgart am 32. Spieltag wurde zum Schicksalsspiel. Lattek bereitete sein Team nicht nur taktisch vor, sondern auch mental. Stevic beschreibt ihn als „den Sigmund Freud des Fußballs“, der mit Bildern arbeitete, um die Spieler auf den Gegner einzustellen. „Udo Lattek hat mir gesagt, dass ich mich wie ein Adler verhalten muss, der die ganze Zeit seine Beute im Blick hat“, erinnert sich Stevic über seine Anweisung zur Bewachung von Stuttgarts Spielmacher Balakov.
Der jubel nach dem sieg in stuttgart
Die Taktik funktionierte. Dortmund gewann das Spiel in Stuttgart mit 2:1, ein Sieg, der in Stevics Erinnerung größer war als die Meisterschaft zwei Jahre später. Der Klassenerhalt war gesichert, und der BVB konnte die Saison in Würde beenden. Lattek verabschiedete sich nach diesem Engagement aus dem Trainergeschäft, doch sein Vermächtnis in Dortmund lebt weiter.
Die genaue Summe, die Lattek für sein Kurzzeit-Engagement erhalten hat, ist umstritten – Gerüchte sprechen von einer Million D-Mark oder sogar mehr. Doch eines steht fest: „Es gibt Fußballer wie Lionel Messi, die für ihr Gehalt immer die passende Leistung bringen. Es gibt wenige Trainer, für die das auch gilt: Einer davon war Udo Lattek“, so Stevic.
