Tv großwallstadt zockt dhb-regel und lässt u19-weltmeister durmic nach fristende auflaufen

Das Transferfenster ist seit 15. Februar zu – doch Anel Durmic stand gestern trotzdem im Kasten von TV Großwallstadt. Der 19-jährige Torhüter wechselte binnen 24 Stunden von der HSG Krefeld Niederrhein an den Main, durfte sofort spielen und schlug direkt ein: 34:33 gegen TUSEM Essen, fünf Paraden, 26 Minuten Einsatzzeit. Die Magie hinter dem Schnelltransfer? Ein Paragraf, den selbst Ligakonkurrenten erst mal rätselnd zurückließen.

Paragraf 34: das schlupfloch für talente, das kein geheimnis ist

Die DHB-Spielordnung sieht in § 34 eine Ausnahme vor: Wer das 23. Lebensjahr noch nicht vollendet hat und lokal ausgebildet wurde, darf bis zum 1. April für bis zu drei Bundesliga-Vereine spielen. Voraussetzung: Er muss vorher vertraglich gebunden sein – genau das trifft auf Durmic zu. Die HSG Krefeld leiht den U19-Weltmeister aus, Großwallstadt meldet ihn als „eigenen Nachwuchs“ ab, fertig. Die Spielleitung bestätigte auf Anfrage von handball-world die Zulassung, ohne mit der Wimper zu zucken.

Für Durmic ist es der dichte Wechsel innerhalb von 18 Monaten. 2023 noch in der Jugendbundesliga des VfL Gummersbach, dann Leihe nach Krefeld, dort 18 Spiele, 63 gehaltene Bälle – und jetzt der Sprung in die 2. Bundesliga. „Ich wollte einfach nur spielen, egal wo“, sagte er nach dem Abpfiff, noch mit Essener Resin auf den Schultern. Die Zahlen sprechen für ihn: 34 Prozent Fangquote in Krefeld, gestern 38 Prozent gegen Essen. Ein kleiner Schritt für den Klub, ein großer für einen Torwart, der vor Jahresfrist noch mit der deutschen U19 in Skopje jubelte.

Warum großwallstadt genau jetzt zuschlug

Warum großwallstadt genau jetzt zuschlug

TVG-Sportdirektor Frank Möller lüftet den Zeitplan: „Unser Stammtorwart Lukas Kastner fällt mit Syndesmosebandriss drei Wochen aus, der Backup ist noch auf der Schulbank.“ Also wurde intern kurz entschieden: Regel ausnutzen, Durmic abrufen, fertig. Krefeld stimmt zu, weil der Youngster ohnehin nur noch Ersatzrolle spielte. Alle gewinnen – außer vielleicht die Konkurrenz, die das Gefühl hat, gegen einen frisch importierten Weltmeister verloren zu haben.

Vergleiche mit früheren Fällen wie Felix Danner (MT Melsungen) oder Martin Ziemer (HC Erlangen) liegen nah, doch die liefen über § 66 – einem Pass-Notparagrafen für Torhüter, der maximal vier Einsätze erlaubt. Durmic dagegen darf bis Saisonende unbegrenzt spielen, weil er als „lokales Talent“ gilt. Die Regel ist seit 2019 in der Spielordnung, bislang kaum genutzt. Jetzt haben es die Mainen vorgemacht – und verärgerte Rivalen schieben schon „Wettbewerbsverzerrung“ durch den Slack-Kanal.

Für den Spieler selbst bleibt wenig Zeit, sich auszuruhen: Schon am Samstag steht das Auswärtsspiel in Eisenach an. Drei Punkte aus zwei Spielen trennen TV Großwallstadt noch vom Relegationsplatz. Mit Durmic im Tor wächst der Gedanke, dass diese Saison plötzlich noch ein ganz anderes Ende nehmen könnte. Die Liga hat ein neues Gesicht – und es ist 19 Jahre alt.