Tus geretsried schlägt den bayernliga-schnüfflern ein schnäppchen
Als Abstiegskandidat Nr. 1 eingeschätzt, hat TuS Geretsried sieben Punkte Vorsprung auf die Relegation – und das mit dem kleinsten Etat und dem größten Herzen der Liga.
Der aufsteiger, der nicht locker ließ
Der Oktober-Rausch war vorbei, die Punkte weg, die Knochen schwer. Ein Sieg in neun Spielen – Zahlen, die selbst erfahrene Kellerkinder in Panik versetzt hätten. Doch Daniel Dittmann schüttelte nur den Kopf, stapelte auf der Analyswand neue Magnete und ließ seinen Jungs einfach weiterspielen. „Wir sind nie in diesen Negativstrudel gekommen, weil wir ständig neue Ideen hatten“, sagt der Coach, der im Sommer nach zwölf Jahren Geretsried den Schlüssel hängen wird. Die Folge: Seit November wieder frischer, lebendiger, mutiger Fußball – und 13 Punkte aus den letzten sieben Partien.
Die Lektion war klar: Bayernliga ist kein Schönwetter-Liga. Gegner wie Erlbach oder Kirchanschöring stürmten mit drei Mann die letzte Linie, schalteten um wie U-Bahn-Türen, und Geretsried kippte trotz Führung. „Da war eine gewisse Naivität“, gibt Dittmann offen zu. Also trainierte der TuS genau diese talentfreien Sekundenbruchteile: Laufwege verengen, zweite Bälle klären, Zeit schinden, Reflexe schärfen. Das Ergebnis: das 2:1 im dritten Derby gegen 1860 München II – erkämpft, nicht geschenkt, in der 97. Minute per Elfmeter.

Elf finals bis zur freibrief-party
Die Tabelle lügt selten: Platz 11, 28 Punkte, sieben Zähler Luft. Doch Dittmanns Excel-Listen sind hart: „Noch nichts erreicht.“ Elf Spiele bis Mai, elf Finals, in denen sich zeigt, ob der TuS zur Truppe gehört, die sich einklagt, oder zu jener, die sich festbeißt. Der Auftakt 2026 passte ins Muster: 2:1 gegen Gundelfingen, drei Tage später 0:1 in Schwaig – die Bayernliga schenkt keine Folklore. „Wir sehen einen hohen Biss, sind aber noch nicht am Ziel“, sagt der Coach, der den Klassenerhalt als emotionales Abschiedsgeschenk ins Visier nimmt.
Die Rechnung ist simpel: 35 Punkte sollten reichen, 38 sind sicher. Also braucht Geretsried noch zehn Zähler aus 33 möglichen. Klingt machbar, ist es aber nur, wenn die Verletztenliste leer bleibt und die Rote-Karten-Statistik endlich stillsteht. Denn der Kader ist dünn, die Arena am Geretsrieder See ein Katen, und die Gegner kennen inzwischen jeden Tick des Aufsteigers.
Der Trabrennplatz nebenan rattert schon wieder, doch im TuS-Trainingslager ist Ruhe eingekehrt. Dittmann sortiert seine Magnete, die Spieler klatschen ab – und irgendwo zwischen Isar und Loisach wittert ein Dorfclub, dass er bald Geschichte schreibt: als jener Aufsteiger, der die Bayernliga nicht überlebte, sondern ihr ein Schnäppchen schlug.
