Turnskandal – wo bleibt die aufklärung?

Michelle timm schlägt alarm: die aufarbeitung des turnskandals stockt!

Michelle Timm, eine der ersten Turnerinnen, die öffentlich Missstände im deutschen Turnsport anprangerten, äußert sich besorgt. Mehr als ein Jahr nach dem Bekanntwerden schwerwiegender Vorwürfe von Machtmissbrauch am Bundesstützpunkt in Stuttgart kommt sie zu einem ernüchternden Schluss: Die Aufarbeitung geht viel zu langsam voran. In einem Interview mit dem SWR Sport zeigt sich die 28-jährige ehemalige Spitzenturnerin frustriert und enttäuscht.

Ein schock für den deutschen turnsport

Ein schock für den deutschen turnsport

Im Dezember 2024 rollte eine Lawine an Anschuldigungen über den deutschen Turnsport. Immer mehr Turnerinnen wagten es, aus der Deckung zu kommen und über jahrelangen Machtmissbrauch und Fehlverhalten zu berichten. Die Enthüllungen erschütterten die Sportwelt und führten zu Ermittlungen. Doch die erhoffte schnelle Aufarbeitung lässt auf sich warten, wie Michelle Timm nun beklagt.

„Der enthusiasmus ist fast weg“

„Der enthusiasmus ist fast weg“

„Der Enthusiasmus, die Hoffnung auf Veränderung und die Überzeugung, dass es sinnvoll war, was da losgetreten wurde, das ist fast weg oder zumindest sehr wenig geworden“, sagt eine sichtlich enttäuschte Timm im Gespräch mit dem SWR. Sie kritisiert vor allem die zähe Gangart der staatsanwaltlichen Ermittlungen, wenngleich sie betont, dass die Sportverbände hierfür nicht direkt verantwortlich seien. Dennoch fehle es an greifbaren Ergebnissen.

Die angst der athleten: warum erst nach der karriere?

Die angst der athleten: warum erst nach der karriere?

Ein zentrales Problem, so Timm, sei die Angst der Sportlerinnen, sich während ihrer aktiven Karriere zu äußern. „Der Grund wird uns gerade perfekt dargestellt“, erklärt sie. „Hätte man als aktive Sportlerin etwas gesagt und es wäre nichts passiert, wie man jetzt in den vergangenen 13 Monaten gesehen hat, dann hätte man in dieser Zeit mit den betreffenden Personen weiter in der Halle gestanden und trainieren müssen.“ Diese Angst vor Konsequenzen habe viele Turnerinnen zum Schweigen gebracht.

Fehlende akzeptanz und ausgrenzung

Fehlende akzeptanz und ausgrenzung

Auch die Reaktion ihres Umfelds auf ihr öffentliches Auftreten habe Michelle Timm zu schaffen gemacht. Als Übungsleiterin am Stützpunkt Stuttgart habe sie spürbar gemacht bekommen, dass ihre Kritik nicht willkommen sei. „Ich habe sehr deutlich zu spüren bekommen, dass man es nicht gut gefunden hat, dass ich an die Öffentlichkeit gegangen bin. Viele Mitarbeiter zeigten mir deutlich, dass ich als Person unerwünscht bin und nicht akzeptiert werde.“

Die hoffnung auf eine systemveränderung bleibt

Die hoffnung auf eine systemveränderung bleibt

Trotz aller Enttäuschung glaubt Michelle Timm weiterhin an die Notwendigkeit einer umfassenden Systemveränderung im Turnsport. Ihr sei es nicht darum gegangen, Eltern davon abzuhalten, ihre Kinder turnen zu lassen. „Wir wollen auf jeden Fall, dass Kinder weiter zu uns kommen und sich für das Turnen begeistern. Aber die Dauer des ganzen Prozesses der Aufarbeitung trägt nicht dazu bei, einen vertrauenswürdigen Eindruck zu erwecken.“ Sie hofft, dass am Ende ein sauberer Abschluss und nachhaltige Veränderungen erreicht werden.

Aktuelle entwicklungen im fall

DatumEreignis
Dezember 2024Bekanntwerden von Missbrauchsvorwürfen im Turnsport
Januar 2026Interview mit Michelle Timm im SWR Sport
28.01.2026Reaktion des Schwäbischen Turnerbundes auf erweiterte Ermittlungen