Türkische fans zwischen jubel und enttäuschung nach wm-debakel

Köln – Die Euphorie war greifbar, die Erwartungen hoch: Nach 24 Jahren Abwesenheit sollte die türkische Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft wieder für Furore sorgen. Doch der frühe Schocktreffer gegen Australien ließ die Hoffnungen der Fans im Rheinland jäh verschwinden. Ein Blick auf die ausgelassenen, aber letztendlich enttäuschten Gesichter.

Frühaufstehen lohnt sich – oder doch nicht?

Schon lange vor dem Anpfiff um 6 Uhr morgens versammelten sich hunderte türkische Fans in Köln und Düsseldorf, um ihr Team anzufeuern. Cafés wie das Mado am Hohenzollernring waren schon Stunden zuvor ausverkauft, und die Stimmung war elektrisierend. „Die Uhrzeit ist kein Problem“, erklärte Emircan S. aus Köln, der mit Freunden und seiner Familie extra früh aufgestanden war. Der 13-jährige Semih, voller Tatendrang, prophezeite bereits wilde Feierlichkeiten auf den Kölner Ringen im Falle eines türkischen Sieges. Doch die Realität sah anders aus.

Im Ottomann in Düsseldorf herrschte ähnlich reges Treiben. Die Plätze waren bereits Tage im Voraus ausgebucht, und die Fans fieberten dem Spiel entgegen. Mehmet Sanli, der die schlaflose Nacht bewusst ertrug, um seine Mannschaft unterstützen zu können, drückte aus, was viele fühlten: „Ich habe gar nicht gepennt. Ich konnte nicht pennen – genau wie unsere Jungs drüben wach waren, war ich hier wach und wollte mit vollem Herzen dabei sein.“

Der schocktreffer und die gedämpfte stimmung

Der schocktreffer und die gedämpfte stimmung

Die anfängliche Euphorie währte jedoch nur kurz. Der frühe Treffer Australiens in der 27. Minute raubte den Fans den Wind aus den Segeln. Osamn Akin, der seine erste Weltmeisterschaft als Fan erleben durfte, äußerte seine Enttäuschung: „Ich fühle mich nicht so gut. Wir sind seit 24 Jahren wieder zum ersten Mal in der WM – das ist nicht so ein positiver Eindruck.“ Die Diskussionen über die Aufstellung, die taktischen Fehlentscheidungen und die verpassten Chancen wurden lauter. Hüseyin A. kritisierte die Flügelspieler, während andere die mangelnde Entschlossenheit der Mannschaft bemängelten.

Draußen auf den Kölner Ringen kippte die Stimmung ebenfalls. Die Trommeln verstummten, die Gesichter waren ernster. Aylin Catal und Umut Baskara, die extra aus Solingen und Monheim angereist waren, waren sichtlich enttäuscht: „Wir sind extra früh aufgestanden, die Motivation war da, jetzt kommt die Ernüchterung.“

Trotz allem: hoffnung auf die zukunft

Trotz allem: hoffnung auf die zukunft

Trotz des enttäuschenden Ergebnisses ist die Hoffnung der türkischen Fans nicht gänzlich erloschen. „Safe, wir werden gewinnen. Ich bin kein Optimist, ich bin Realist“, meinte Hüseyin A. mit einem Augenzwinkern. Und tatsächlich, die kommenden Spiele gegen Paraguay und die USA bieten die Chance auf Wiedergutmachung. Die Leistung der türkischen Mannschaft bei der Europameisterschaft hatte viele überzeugt, und die Fans sind entschlossen, ihr Team weiterhin bedingungslos zu unterstützen. Die Autokorsos durch die Straßen Kölns, ein fester Bestandteil jeder türkischen Fußballfeier, ließen auch nach der Niederlage nicht lange auf sich warten. Es bleibt abzuwarten, ob die türkische Nationalmannschaft in der Lage sein wird, die Erwartungen der Fans zu erfüllen und die WM-Enttäuschung schnell zu vergessen.

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