Türkei zertrümmert kosovos wm-traum – nach 24 jahren wieder dabei
Kerem Aktürkoglus Stollen schaufelten den Ball ins Netz – und rissen 24 Jahre Warten in zwei Sekunden ein. Die Türkei gewinnt 1:0 im Play-off-Finale in Pristina und fährt zur WM 2026. Kosovo bleibt auf der Strecke, die Mondlandschaft der Balkans wird zum Schauplatz eines neuen türkischen Sommermärchens.
Der 53. minute, der alles veränderte
Es war kein Kunstschuss, kein Fallrückzieher, keine Torjägerpose. Es war ein Tipp, ein Zufallstreffer, ein Ball, der vom Schienbein über die Linie kullerte – und plötzlich war die Hölle los im Fadil-Vokrri-Stadion. Die türkische Bank explodierte, die kosovarischen Kinder hielten sich die Köpfe, und Aktürkoglu selbst wusste zuerst nicht, ob er jubeln durfte. Die Fahne blieb unten. Der VAR blieb stumm. 0:1, Türkei vorne, Kosovo am Rande der Nacht.
Davor hatte Ugurcan Cakir die türkische Seelenruhe mit einer Parade an die Latte bewahrt. Fisnik Asllanis 22-Meter-Kracher hätte das Spiel in einen anderen Film katapultiert, doch Cakir streckte sich, berührte die Kugel mit den Fingerspitzen, und das Leder zischte ans Aluminium. Ein Moment, der später als Wendepunkt gelten wird – wenn die Historiker die Play-off-Bilanz schreiben.
Nach dem Tor wechselte Franco Foda dreimal, stellte auf Dreierkette um, schickte Muslija und Rrudhani in den Sturmraum. Die letzten 20 Minuten waren ein einziges Gebolze, ein Dauergrätschen, ein Kampf um jeden Quadratmeter Rasen. Doch die Türkei stand. Murat Yildiz sprintete 70 Meter, um eine Flanke zu klären. Arda Güler – 19 Jahre jung – spielte den Mann, nicht den Ball, und kassierte Gelb statt Applaus. Es war die Gelbe, die fehlte, um das neue türkische Traumteam komplett zu machen.

Gruppe d wartet mit usa, paraguay, australien
Montella hatte vor dem Spiel gesagt, er wolle „nicht über 2002 reden“. Jetzt muss er es. Die Auslosung schickt seine Mannschaft in ein Viertel, das sich wie ein kleines Turnier anfühlt: Gastgeber USA, Alphateam Australien, Copa-Gewinner Paraguay. Die Türkei ist wieder auf der großen Bühne – und diesmal hat sie nichts zu verlieren. Die letzte WM-Teilnahme endete mit einem dritten Platz, einer Bronzemedaille und einem Nationalstolz, der bis heute nachhallt.
In Pristina herrscht nach Abpfiff Stille. Die kosovarischen Fans bleiben sitzen, einige weinen, andere schwenken Fahnen, als wollten sie das Spiel noch einmal aufrollen. Zehn Jahre nach der FIFA-Anerkennung war dies ihre erste echte Chance. Nächste Runde? Vielleicht. Aber der Schmerz sitzt tief. „Wir haben alles gegeben“, sagt Foda mit zerschlissener Stimme. „Alles.“
Die türkische Mannschaft tanzt im Kreis, singt Lieder, die kein Reporter versteht. Die 24 Jahre waren lang. Die nächsten vier werden kurz. In den USA, in Kanada, in Mexiko – dort wartet ein neues Kapitel. Und vielleicht, nur vielleicht, wartet dort auch ein neues Sommermärchen.
