Tschechien verbietet trainer lebenslang – weltweit darf er 2030 wieder ran

Petr Vlachovsky filmte vier Jahre lang heimlich 14 Spielerinnen seines Clubs Slovacko – beim Duschen, beim Umziehen, die Jüngste war 17. Das Gericht verurteilte ihn zu einem Jahr auf Bewährung und einem nationalen Fünfjahresstopp. Die Frauen sagen: „Ein Hohn.“

Die Kameras waren winzig, versteckt in einem Rucksack, der offen auf der Umkleidebank lag. Keiner wusste, dass dort ein Objektiv durch eine Öffnung pickte. Keiner ahnte, dass die Bilder direkt auf Vlachovskys Rechner rauschten. Bis eine Spielerin nachts wach wurde, weil sie das Gefühl hatte, jemand starre sie an. „Manchmal mussten wir kotzen“, erinnert sich Kristyna Janku. Der Klub ließ die Polizei kommen. Die Festplatte war voll.

Die strafe: ein jahr auf bewährung und ein lächeln

Der Prozess ging unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die Bühne. Richter und Staatsanwalt einigten sich auf ein Jahr Freiheitsstrafe, zur Bewährung ausgesetzt. Dazu beschlagnahmte Polizei kinderpornografisches Material auf Vlachovskys Geräten. Die Tschechische Fußball-Union sperrte ihn national bis 2030. Ausländische Verbände müssen das nicht übernehmen. FIFA-Regularien greifen hier nicht automatisch. Kurz: Wer will, darf ihn schon morgen in der Slowakei oder in Asien aufstellen.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Fifpro, die Weltgewerkschaft der Profifußballer, fordert eine lebenslange Globalstrafe. Marketa Vochoska Haindlova, Vorstandsmitglied bei Fifpro Europe und Präsidentin des tschechischen Spielergewerkschaft CAFH, sagt: „Wer Menschen verletzt, gehört lebenslang vom Spielfeld ferngehalten.“ Die Spielerinnen prüfen eine Zivilklage, um die Urteile zu verschärfen und Schmerzensgeld einzuklagen.

Die angst bleibt, der sport auch

Die angst bleibt, der sport auch

Alena Peckova wechselte innerhalb Tschechiens den Klub. Sie trainiert weiter, doch jedes Mal, wenn sie die Kabine betritt, spürt sie ein Kribbeln im Nacken. „Ich kontrolliere die Haken, die Lüftungsschächte, die Spiegel“, sagt sie. „Ich hasse es, nackt zu sein.“ Die 25-Jährige absolvierte eine Traumatherapie. Die Kosten übernahm CAFH. Mehrere Mitspielerinnen beendeten ihre Karrieren vorzeitig.

Der Fall Slovacko wirft ein Schlaglicht auf ein System, das Täter oft milder beurteilt als Opfer. Seit 2021 verlangt die FIFA bei Sexualstraftaten grundsätzlich lebenslange Sperren – doch nur, wenn die nationale Disziplinarkammer sie an die FIFA weitergibt. Das tat der tschechische Verband nicht. Er argumentierte, das Strafmaß liege „im gesetzlichen Rahmen“. Die Spielerinnen sprechen von Kalkül: Ein verschlossenes Verfahren, ein bequemer Deal, ein verschwindend geringes Risiko für den Täter.

Die FIFA schweigt bislang zu dem konkreten Fall. Fifpro sammelt internationale Unterschriften. Der nächste Schritt: eine Petition an den Weltverband, damit Vlachovskys Name in die weltweite Sperrliste eingetragen wird. Die Spielerinnen wissen: Wenn sie jetzt aufgeben, bleibt nur die Erinnerung an die Kameras. Und die ist nicht verhandelbar.