Tschechien schlägt dänemark im elfmeter-krimi und ist zurück bei der wm

Prag, ein Donnerstagabend im März. 19.000 Kehlen schreien sich heiser, 120 Minuten sind rum, und dann steht Michal Sadilek zitternd auf dem Punkt. Sein Schuss trifft links unten, Kasper Schmeichel ist machtlos – und plötzlich ist ein 20-jähriger Dürstekampf vorbei.

Endstation prag für dänemark

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit 2006 hatte sich kein tschechisches Nationalteam mehr für eine WM-Endrunde qualifiziert. Die Zahlen sagen aber nicht, dass der Weg dorthin ein einziger Horrorfilm war. Erst das 0:2 gegen Irland im Halbfinale, dann das Comeback, dann das Elfmeterschießen. Und jetzt das Finale gegen Dänemark, wieder mit Verlängerung, wieder mit Herzklopfen, wieder mit Penaltys.

Die Dänen? Die hatten alles im Griff, bis sie plötzlich nichts mehr im Griff hatten. Rasmus Höjlund, Anders Dreyer, Mathias Jensen – alle drei scheiterten hintereinander, alle drei trafen sie noch vor zwei Wochen wie Uhrwerke. Die Statistik zeigt: In den letzten drei Jahren hatte Dänemark 83 % seiner Elfmeter verwandelt. In Prag fiel die Quote auf 25 %. Das ist kein Zufall, das ist Nervenflattern.

Die Tschechen? Die hatten Patrik Schick in der Startelf, das Bundesliga-Trio mit Vladimir Coufal und Robin Hranac auch. Sie hatten frühe Führung durch Pavel Sulc, späte Führung durch Ladislav Krejci, sie hatten zwei Mal den Ausgleich kassiert, erst durch Joachim Andersen, dann durch Kasper Högh. Sie hatten alles, nur keine Angst.

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Die Auslosung am Sonntag war gnadenlos: Südkorea, Südafrika, Gastgeber Mexiko. Kein leichtes Los, aber auch kein Todeslos. Die Tschechen haben nichts zu verlieren, sie sind das lebende Beispiel dafür, dass Turniere nicht vorhersehbar sind. Trainer Miroslav Koubek sagt nach dem Spiel nur: „Wir haben gezeigt, dass wir in der Lage sind, zurückzukommen. Das ist unsere DNA.“

Die DNA spricht auch Zahlen: Drei Siege in Folge nach Rückstand, zwei Elfmetersiege innerhalb einer Woche, ein Tor in der 100. Minute zum 2:2. Das ist keine Taktik, das ist reine Überlebenslust. Und die ist ansteckend.

Für Dänemark bleibt ein Sommer ohne WM, dafür aber mit Fragen. Warum schlägt eine Elf, die in der Qualifikation nur ein Spiel verlor, genau dann die Schleife um? Warum trifft ein Sturm, der 18 Tore schoss, im entscheidenden Moment nicht mehr? Die Antwort liegt vermutlich irgendwo zwischen dem 72. und dem 111. Minute in Prag, zwischen dem ersten und dem letzten Pfiff.

Die Tschechen? Die fahren nach Mexiko, mit Koffern voller Adrenalin und einem Trainerteam, das mittlerweile besser ist als jeder Sportspsychologe. Die WM wartet, und mit ihr die Chance, das nächste Kapitel eines Märchens zu schreiben, das vor 20 Jahren begann und jetzt einfach weitergeht. Ende offen – und das ist gut so.