Troise rettet lumezzane: sechs jungstars, null punkte, große träume
Der Mann, der aus Neapel stammt, aber nicht nach Neapel schaut, hat ein Team aus dem Nichts hochgezogen. Emanuele Troise, 42, übernahm den FC Lumezzane bei null Punkten, jetzt steht der Klub fünf Spieltage vor Schluss auf Platz acht – Playoff-Fernsehen inklusive. 13 Partien ohne Gegentor passen dazu wie der lockere Spruch nach dem Brescia-Derby: „Wir haben nicht nur den Nachbarn geschlagen, wir haben dessen Trainer gefeuert.“
Die wende kam mit 1.500 fans auf dem rathausplatz
Troise erinnert sich an den Tag seiner Vorstellung. „Kein üblicher Neustart“, sagt er. „Die Leute wollten wissen, wer den Laden wieder aufräumt.“ Er lieferte. 22 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Vicenza? „Nichts, was uns interessiert. Wir jagen, bis die Luft raus ist.“ Die Statistik bestätigt: Nach seiner Amtsübernahme holte Lumezzane 1,92 Punkte pro Spiel – mehr als jede andere Serie-C-Mannschaft in diesem Zeitraum.
Die Marschrichtung ist klar: junge Spieler, alte Seele. Sechs Under-23-Starter sind keine Verpflichtung, sondern eine Entscheidung. „Ich habe keine Vorgaben bekommen“, betont Troise. „Wenn du dich im Training quälst, spielst du, egal wie alt du bist.“ Beispiele gefällig? Tommaso Gallea, 20, Außenverteidiger, galt als „rostig“, weil er zuvor nicht mal im Kader stand. Cagliari sicherte sich seine Rechte sofort, ließ ihn aber ziehen – ein Vertrauensvotum mit Bescheidenheit. „Er kann ein gegen eins verteidigen und mitziehen, aber er ist noch lange nicht Serie-A-reif“, so Troise.

Caccavo trifft, ohne elfmeter, ohne limit
Dann der Angreifer Mattia Caccavo: 10 Tore, kein Penalty, 40-Prozent-Leistung laut Trainer. „Er ist ein Bär mit Turbo, aber er denkt noch zu langsam für die nächste Kategorie. Wenn er lernt, den Ball eine Sekunde früher zu nehmen, wird er die Liga spalten.“ Die Zahlen sprechen: Seine xG-Quote (expected Goals) liegt bei 7,4 – er übertrifft sie um 35 %. Das spricht für kalte Nerven, nicht für Glück.
Die Taktik? Flexibel wie ein Gummiband. Mal hohe Linie, mal tiefes Blocken, immer mit dem Ziel: „Wir wollen nicht nur punkten, wir wollen die Gegner frustrieren.“ Lumezzane kassierte in 29 Spielen nur 22 Gegentore – die dritbeste Defensive der Gruppe A.

Mittagessen mit guardiola – kein schnickschnack, nur menschenführung
Was macht ein Drittliga-Coach mit Pep Guardiola und Roberto De Zerbi beim Lunch in Brescia? „Wir haben über Gruppendynamik gesprochen, nicht über 3-2-5 oder 4-4-2“, verrät Troise. „Copia e incolla ist gefährlich. Am Ende sagte Pep: ‚Bleib dir selbst treu.‘ Das habe ich auf Italienisch notiert und im Büro an die Wand gehängt.“
Der Blick zurück nach Neapel? „Ich bin Montesanto-Junge, das vergisst man nicht. Aber mein Herz schlägt jetzt für Lumezzane. Wenn wir die Playoffs erreichen, schreibe ich Geschichte – und das mit Kids, die vorher noch nie Profis waren.“
Die Saison endet am 27. April. Fünf Endspiele stehen an. Troise lacht: „Wir haben nichts zu verlieren, außer der Fantasie – und die lassen wir nicht abschießen.“
