Toyota-kahuna in kenia: führungstrio weg, katsuta ganz oben

Kein Toyota-Pilot, der an diesem Morgen den Schlamm von den Scheinwerfern kratzte, ahnte, dass er wenig später die Rallye Kenia als Tabellenführer verlassen würde. Doch genau das passierte: Oliver Solberg, Elfyn Evans und Sébastien Ogier – das komplette Führungstrio nach zwölf Prüfungen – schafften es nicht einmal zur Service-Park-Einfahrt. Stattdessen rückte Takamoto Katsuta vom ewigen Bräutigam zum vorläufigen Hauptgewinner auf.

Schlamm frisst startnummern

Der „Sleeping Warrior“ hielt sein Versprechen. Die 13. WP versenkte nicht nur die Reifen, sondern komplette Titelträume. Solberg stoppte zuerst: Elektrik-Aus, Getriebe blockiert, keine Chance auf Reparatur. Sekunden später erlosch bei Ogier die Lichtmaschine – dieselbe Baustelle wie beim Schweden, nur härter. Evans, bis dato WM-Spitzenreiter, schleppte seinen Yaris mit gebrochener Hinterradaufhängung nur noch ein paar Meter, bevor auch er die Hände hob.

Teamchef Juha Kankkunen sprach vom „schlimmsten Morgen seit der Rückkehr nach Afrika“. Der vierfache Weltmeister, sonst ein Fels, klang wie ein enttäuschter Vater: „Der Schlamm war kein Wasser, er war Klebstoff. Er findet jede Öffnung, frisst Keilriemen und Alternatoren. Unsere Autos sind für Wüsten gemacht – nicht für flüssigen Beton.“

Katsuta profitiert, toyota dennoch blass

Katsuta profitiert, toyota dennoch blass

Katsuta fuhr durch, wo die anderen stehen blieben – kein Heldensturm, nur konstantes Abtasten der Schlammlawine. Mit 37 Sekunden Vorsprung vor Adrien Fourmaux (Ford) liegt er vorn, doch die Freude im Toyota-Lager hält sich in Grenzen. Drei Autos ausradieren, zwei davon mit WM-Titelambitionen – das ist selbst nach afrikanischem Maß ein Debakel.

Die Statistik nagt: Vorjahressieger Kalle Rovanperä beobachtet von zu Hause, wie die Marke mit der Ellbogen-Technik die Punkte versenkt. Nach drei Läufen und drei Siegen für Toyota sieht die WM-Tabelle plötzlich anders aus – 45 Punkte Luft für Evans sind dahin. Die Meisterschaft ist wieder offen, aber nicht auf die Art, wie es Toyota plante.

Am Sonntag warten noch acht Prüfungen, doch die wahre Frage lautet: Wer traut sich noch, Vollgas zu geben, wenn der Schlamm jeden Moment zum Rennleiter werden kann? Katsuta führt, aber die Gewissheit, dass auch sein Auto nur eine dicke Paste von der nächsten Panne trennt, sitzt im Nacken wie ein feuchter Helm.

Die Rallye Kenia bleibt ein Rufmord an jedem Material – und ein Schaukasten für die, die behaupten, moderne Hybrid-Technik sei unverwüstlich. Die Antwort liegt irgendwo im Schlamm von Nairobi: drei Titelanwärter, ein neuer Führender, null Gewinner.