Tottenham-kollaps in madrid: fans fordern ticket-geld zurück
Ein Albtraum in Rot-Weiß: Tottenham Hotspur kassiert bei Atlético Madrid eine 2:5-Klatsche und rast mit Höchstgeschwindigkeit in die sportliche Bedeutungslosigkeit. Die mitgereisten Fans reagieren mit blanker Wut und fordern ihr Geld zurück – ein Vorgang, der den Klub vor eine existenzielle Frage stellt.
Jakob Lüers aus Madrid
Supporters trust spricht von „absoluter schande“
„Die heutige Leistung und das Ergebnis sind eine absolute Schande“, donnert die Tottenham Hotspur Supporters‘ Trust (THST) noch in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch aus der spanischen Hauptstadt. Die 5.000 mitgereisten Londoner sahen, wie ihre Mannschaft innerhalb von 21 Minuten zwischen der 55. und 76. vier Gegentore kassierte und völlig auseinanderbrach. „Symptomatisch für den derzeit miserablen Zustand des Klubs“, schreibt die Organisation auf X. Die Worte klingen wie ein Todesstoß.
Die THST fordert nun, dass jeder Anhänger seine Eintrittskarte zurückerstattet bekommt – ein Schritt, der bei Premier-League-Riesen bislang undenkbar war. Doch der Präzedenzfall existiert: Manchester City erstattete Ende Januar allen Auswärtsfans die Tickets für die 1:3-Pleite bei Bodö/Glimt. Die Citizens überwiesen binnen 48 Stunden. Tottenham schweigt bislang.

Abstiegszone ruft: „notfallmaßnahmen“ gefordert
Die Krise ist nicht nur europäisch. In der Premier League liegt Tottenham nach 28 Spielen nur zwei Punkte über dem Abstiegsrang. Die THST warnt: „Es war noch nie so schwer, Spurs-Fan zu sein.“ Die Fans wittern den Klassensturz und kündigen an, „nicht tatenlos zuzusehen“. Was bedeutet: Proteste, Boykotte, leere Ränge. Das Stadion an der White Hart Lane bietet 62.850 Plätze – bei der nächsten Heimpartie könnten Tausende leer bleiben.
Trainer-Angebot? Keines. Sportdirektor? Abgewählt. Präsidium? Stumm. Die Spieler trudelten erst um 04:30 Uhr Ortszeit auf dem Airport Barajas ein, stundenlang nach dem Abpfiff. Augenzeugen berichten von gesenkten Köpfen, keine Interviews, keine Entschuldigung. Das einzige Statement kam eben nicht vom Klub, sondern von jenen, die 1.800 km mitflogen, um ihre Farben zu vertreten.

Die rechnung steht noch aus
Atlético verlangte für Gästetickets zwischen 90 und 220 Euro. Mal angenommen, 4.000 Spurs-Anhänger zahlten den Durchschnittspreis von 150 Euro, summiert sich die Forderung auf 600.000 Euro – Peanuts für einen Klub, dessen Jahresumsatz 500 Millionen Euro übersteigt, aber ein Signal. Zahlt Tottenham, räumt man ein, dass die Leistung inakzeptabel war. Weigert man sich, spaltet man die eigene Basis weiter.
Die THST kündigt bereits „weitere Schritte“ an. Keine Details, nur eine Drohung. Am Sonntag empfängt Tottenham Leicester City. Die Foxes kämpfen ebenfalls gegen den Abstieg. Das Londoner Stadion könnte pfeifende Stille erleben – oder lauten Protest. Die Fans haben die Geduld verloren. Und Tottenham? Die Uhr tickt.
