Tomatenkönige stürzen neapel und mailand: scafatis sportwunder
Scafati – 30 Kilometer südlich von Salerno – spuckt Tabellenführer aus, die Großstädte in den Schatten stellen. 23 Siege, 6 Remis, 1 Niederlage: Die Scafatese Calcio ist als einzige Mannschaft Italiens von der Serie A bis zur D ungeschlagen gewesen – bis der AS Rom-Klub Trastevere am 2. April den Knoten zerstörte.
Die Zahlen sind dennoatierungswürdig. Mehr Erfolge als SSC Neapel und AC Mailaand in dieser Saison. Ein Aufstieg in die professionelle Serie C, sechs Spieltage vor Saisonende. Und das, obwohl die Fußballabteilung vor 13 Jahren nach dem Konkurs in der Terza Categoria neu starten musste.
Die tomaten-mogule hinter dem wunder
Felice Romano und Aniello Longobardi sind keine Milliardäre aus dem Öl- oder Tech-Sektor. Ihr Kapital kommt aus Konserven. Romanos Holding „La Regina“ – 48 % verkaufte er im Dezember an die Campbell-Suppe – wuchs 2025 auf 390 Millionen Euro Umsatz. Longobardi führt seit 40 Jahren den Basketclub Scafati und verdiente seine ersten Lire mit Tomaten in Dosen. Beide finanzieren ihre Teams aus der gleichen Fabrik, die neben dem Stadion Vitiello liegt.
Der Fußballplatz und die Halle PalaMangano trennen gerade einmal 900 Meter. An Spieltagen pilgern die Fans zuerst zur Curva, dann in die Arena – gelb-blau ist nicht nur eine Farbe, sondern ein Gütesiegel für Erfolg in beiden Sportarten.

Vom pop-art-mythos bis zur maserati-gage
Andy Warhol malte Campbells-Suppendosen, Longobardi füllt sie. David Logan schlug 2023 in den Playoffs zwei Dreier gegen Verona und Brescia, die den Klassenerhalt sicherten. Als Belohnung durfte er die Maserati des Präsidenten fahren – und brachte sie nach einer Stunde zurück, weil er nur zum McDonald’s wollte. Anthony Carter trank vor Spielen Rotwein, um besser zu treffen. Die Statistik sprach für ihn.
Romano wiederum wirft bei Meisterfeiern Spielern Geldscheine mit seinem Konterfei zu. „Ein volkstümlicher Gag“, sagt er und meint es ernst. Im Sommer entließ er trotz Tabellenführung Trainer Gianluca Esposito und Manager Totò Di Natale. Die Kritik war groß, die Meisterschaft folgte trotzdem.

Politik und kurve ziehen an einem strang
Bürgermeister Angelo Aliberti und Sportdezernent Giovanni Di Palma verpassten keine Auswärtsfahrt, selbst als weniger als 100 Zuschauer in der Excellence saßen. Die Stadt investierte 1,2 Millionen Euro in Rasen, LED-Anlage und Photovoltaik, das Vitiello soll nun C-Standard erhalten. Beim Derby gegen Ischia montierten sie einen 200-Quadratmeter-Zugferkel-Bildschirm im Zentrum. Tausende kamen.
Die Longobardis planen den nächsten Coup: Der Basketball soll zurück in die A1. Trainer Luca Vitucci warnt: „Die Fußball-Euphorie hilft nur, wenn wir unsere Playoff-Finalspiele gewinnen.“ Das erste Endspiel steigt am Sonntag. Die Stadt lebt schon jetzt im Ausnahmezustand – gelb-blau eingefärbt, von der Piazza bis zur Dosenfabrik.
Scafati produzierte einst Tomaten für Warhol. Heute liefert die Stadt Sportgeschichten, die selbst Kunst nicht erfinden könnte.
