Tischtennis-wm in london: kann deutschland um medaillen kämpfen?
London bebt! Die Tischtennis-Welt versammelt sich ab dem 28. April zur Team-Weltmeisterschaft, und die Erwartungen sind hoch. Doch das Turnier bringt eine radikale Neuerung mit sich: Der bewährte Gruppenmodus ist Geschichte. Was bedeutet das für die Favoriten und vor allem für das deutsche Team?
Ein neues format, eine neue herausforderung
Die ITTF hat das Turnierformat grundlegend überarbeitet. Statt der vertrauten Gruppenphase gibt es nun zwei “Stages”. Die Top-Sieben der Weltrangliste und Gastgeber England spielen in der “Stage 1A” lediglich um die Setzreihenfolge für das Achtelfinale. Die übrigen 56 Teams kämpfen in der “Stage 1B” darum, überhaupt erst in die K.O.-Runde einzuziehen. Dieser Umbruch hat im Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) für wenig Begeisterung gesorgt. Sportdirektor Richard Prause kritisiert, dass damit ein “Ad Absurdum” in der Weltranglisten-Orientierung drohe.
Die Herren-Bundestrainer sind ebenfalls skeptisch. Jörg Roßkopf merkt an: „Mit drei Niederlagen kann man trotzdem Weltmeister werden – das ist ein spezielles System.“ Ein taktisches Agieren, um vermeintlich schwächere Gegner zu vermeiden, wird dadurch sogar denkbar.

China – der ewige favorit
Trotz des neuen Formatsbleibt China der unangefochtene Favorit. Die Dominanz des Reiches der Mitte im Tischtennis ist legendär. Seit 26 Jahren, als Schweden um den Superstar Jan-Ove Waldner den großen Coup schaffte, hat kein anderes Team diesen Anspruch geltend machen können. Auch dieses Jahr sind Schweden, Frankreich und Japan ernstzunehmende Konkurrenten.
Bei den Damen hat Singapur im Jahr 2010 einmalig der chinesischen Übermacht etwas entgegensetzen können. Ansonsten hieß es in den letzten 35 Jahren stets China.

Deutsche hoffnungen: zwischen ausgeglichenheit und überraschung
Die deutschen Teams gehören zu jenen, die hinter China um die vorderen Plätze kämpfen. Die Herren mit Dang Qiu, Patrick Franziska, Dimitrij Ovtcharov und Benedikt Duda bieten eine beeindruckende Tiefe. Im Team sind alle auf Augenhöhe, und an guten Tagen kann jeder die besten Spieler der Welt schlagen. Die jungen Wilden wie André Bertelsmeier sollen den erfahrenen Kader zusätzlich unter Druck setzen.
Die Damen, angeführt von der aufstrebenden Sabine Winter, scheinen gewappnet. Winters beeindruckende Entwicklung, die sie bis in die Top Ten der Weltrangliste katapultierte, und die Rückkehr der verletzungsgeplagten Nina Mittelham geben Anlass zu Optimismus. U19-Weltmeisterin Annett Kaufmann und die frühere Weltranglisten-Sechste Han Ying runden das Team ab.

Blick nach vorn: olympische träume und wm-bewerbungen
Nach der WM in London rücken die Einzel-EM in Ljubljana und die Grand-Smash-Turniere in den USA, Schweden und China in den Fokus. Doch das große Ziel sind die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Der DTTB plant bereits eine erneute Bewerbung um die Ausrichtung einer WM und hält sogar eine Olympia-Bewerbung für die Jahre 2036, 2040 oder 2044 für denkbar.
Die Tischtennis-WM in London verspricht Spannung pur. Ob Deutschland um Medaillen kämpfen kann, wird sich zeigen. Eines ist sicher: Die deutsche Mannschaft wird alles daran setzen, die Fans zu begeistern und für Überraschungen zu sorgen.
