Wölfinnen zwingen lyon in die verlängerung – und gehen trotz 0:4 mit erhobenem haupt

Lyon schoss 39 Mal, hatte 19 Ecken und brauchte 120 Minuten. Erst in der Verlängerung zerlegte der Olympique den VfL Wolfsburg mit 4:0 – und machte die deutschen Meisterinnen trotzdem zur moralischen Siegerin dieser Nacht.

Stina johannes parierte, bis die mauer bröckelte

Die Zahlen sind brutal: 4:0 nach Verlängerung, 0:2 nach Ecken in der ersten Halbzeit der Extra-Time. Doch wer nur das Ergebnis liest, verpasst die Geschichte. Die Wölfinnen bauten eine defensive Festung, in der Stina Johannes zur letzten Instanz wurde. „Wir haben es über 90 Minuten diszipliniert verteidigt, hart gearbeitet und uns die Verlängerung verdient“, sagte die Torhüterin, nachdem sie 19 Ecken und unzählige Schüsse weggesteckt hatte.

Der frühe Rückstand durch Lily Yohannes in der 8. Minute war das Startsignal für einen wahren Angriffshagel. Doch statt einzuknicken, organisierte Wolfsburg die Räume neu, stellte die Abwehrketten um und zwang Lyon ins Risiko. Die Französinnen schossen, dribbelten, flankten – und prallten an einer Mauer, die bis zur 93. Minute hielt.

„Wir haben das herz auf dem platz gelassen“

„Wir haben das herz auf dem platz gelassen“

Trainer Stephan Lerch hatte vor Spielbeginn gewarnt: „Lyon kommt mit Wut im Bauch.“ Was folgte, war ein Sturm, wie er selten zu sehen ist. Dennoch: Keine Wolfsburgerin warf das Handtuch. „Wir wussten, dass ein Sturm auf uns zukommt. Wir haben das Herz auf dem Platz gelassen“, sagte Lerch nach Abpfiff. Der Coach verzichtete auf Schuldzuweisungen, lobte stattdessen die „Kampfgeist-Fraktion“, die „die wenigsten im Vorfeld zugetraut“ hätten.

Problematisch blieb nur das Spiel nach vorne: Zwei Torschüsse in 120 Minuten, kein einziger Eckball. „Das ist uns im Vergleich zum Hinspiel nicht gut gelungen, uns hat die Ruhe mit Ball gefehlt“, räumte Johannes ein. Lyon presste höher, schneller, aggressiver. Die deutsche Meisterin hatte kaum Zeit, sich Luft zu verschaffen. Der Ballbesitz schrumpfte auf klägliche Sekunden zusammen.

Nächster kampf in 48 stunden – und ein versprechen

Nächster kampf in 48 stunden – und ein versprechen

Doch statt zu lamentieren, blickt der VfL nach vorn. Bereits am Sonntag steht das DFB-Pokal-Halbfinale bei Carl Zeiss Jena an – nur zwei Tage nach dem Kraftakt in Lyon. „Wir müssen jetzt auf die Tube drücken“, sagt Lerch. Die Verlängerung steckt in den Knochen, die Enttäuschung auch. Aber: „Das nächste Highlight steht an und wir wollen es besser machen als heute.“

Die Bilanz der Nacht: 0:4, aber auch ein Sack voller Erfahrung. „Wir ziehen Glauben und Vertrauen in die Mannschaft, viel Stolz und ganz viel Erfahrung“, sagte Johannes. Und dann der Satz, der Lyon warnt: „Gerne nächstes Jahr wieder.“ Die Wölfinnen sind down, aber längst nicht out.