Wm 1994: strunz enthüllt, wie es im dfb-quartier wirklich zur sache ging

Die Erinnerungen an die WM 1994 in den USA sind für deutsche Fußballfans von Gemischtheit geprägt: Ein Viertelfinal-Debakel gegen Bulgarien, der legendäre Stinkefinger-Eklat von Stefan Effenberg und eine drückende Hitze, die die Leistung der Nationalmannschaft beeinträchtigte. Doch was ging wirklich im Quartier der Mannschaft ab? Ehemaliger Nationalspieler Thomas Strunz blickt nun bei SPORT1 zurück und offenbart einige überraschende Details.

Ein ungewöhnlicher ort der vorbereitung

Anders als man heute gewohnt ist, befand sich das WM-Quartier der DFB-Elf nicht in einem abgeschotteten Trainingslager. Strunz erinnert sich: „Wir lebten damals in einem riesigen Hotel inmitten eines Golf-Resorts. Auch viele normale Gäste waren dort zu Gast.“ Die Anlage wurde rege von Spielern und Verantwortlichen genutzt – ein ungewöhnliches Nebeneinander von Weltklasse-Fußballern und ambitionierten Golfspielern. „Es war ein Business-Hotel, nichts Außergewöhnliches“, so Strunz, der die damalige Situation im Vergleich zur heutigen deutlich anders einschätzt.

Die atmosphäre im quartier: eine lustige reisegruppe

Die atmosphäre im quartier: eine lustige reisegruppe

Die Lobby des Hotels präsentierte ein buntes Treiben. „Ja, die gab es“, grinst Strunz, „die älteren Herrschaften mit ihren Golfschlägern.“ Unter ihnen befanden sich auch zahlreiche WM-Fans, die ihre Golfschläger nicht missen wollten. Gerüchten zufolge sollen einige sogar ihre Platzreife erworben haben. „Es war eine lustige Reisegruppe“, fasst Strunz die Atmosphäre zusammen, „die Stimmung im Quartier passte ganz gut zum späteren Abschneiden.“

Helden der vergangenheit und aufstrebende stars

Helden der vergangenheit und aufstrebende stars

Die WM 1994 markierte den Generationswechsel im deutschen Fußball. Während Spieler wie Lothar Matthäus, Rudi Völler und Andy Brehme aus den Reihen der Weltmeister von 1990 respektiert wurden, gehörten Matthias Sammer, Stefan Effenberg und Strunz selbst zu den aufstrebenden Talenten. „Matthäus, Völler, Brehme, Illgner – das waren auch für uns Helden“, so Strunz, der betont, dass man sich an die Vorgaben der erfahrenen Spieler anpassen musste. Die Diskrepanz zwischen der Erfahrung der einen und dem Ehrgeiz der anderen führte zu einer gewissen Spannung im Team.

Verpasste chance: eine der besten mannschaften der geschichte

Trotz des vorhandenen Kaders und der hochkarätigen Spieler scheiterte die DFB-Elf im Viertelfinale an Bulgarien – ein bitteres Ende für eine Mannschaft, die zweifellos zu den besten der Geschichte zählte. „Aus meiner Sicht war das eine der besten deutschen Nationalmannschaften der Geschichte“, stellt Strunz fest. Mit 16 Weltmeistern im Kader und weiteren talentierten Spielern wie Basler, Helmer und Sammer hätte man mehr erreichen müssen. Die Enttäuschung über das vorzeitige Ausscheiden war groß.

Ein quartier ohne moderne annehmlichkeiten

Im Vergleich zur heutigen Zeit mangelte es dem WM-Quartier an einigen modernen Annehmlichkeiten. „Genau! Das kann sich ja heute gar niemand mehr vorstellen“, bemerkt Strunz, als die Rede auf das Fehlen von Handys und Internet kommt. Stattdessen wurden täglich deutsche Zeitungen eingeflogen, die die Spieler zur Lektüre hatten. Nach dem Ausscheiden im Viertelfinale wurden die Zeitungen jedoch rigoros vernichtet: „Ich glaube, die wurden in eine Toilette neben dem Massageraum gesperrt, damit wir sie nicht lesen konnten.“

Ein blick zurück: mehr als nur fußball

Die WM 1994 in den USA war mehr als nur Fußball. Sie war eine Mischung aus Sport, Golf und einer ungewöhnlichen Atmosphäre. Thomas Strunz blickt mit einem Augenzwinkern auf diese Zeit zurück. „Das war eine der besten Nationalmannschaften der Geschichte, die es voll verschissen“, sagt er und bringt damit die Frustration und das ungenutzte Potenzial der DFB-Elf auf den Punkt. Ein Kapitel deutscher Fußballgeschichte, das noch immer für Gesprächsstoff sorgt – und das vor allem durch die Erinnerungen an das ungewöhnliche Quartier in den USA geprägt ist.