Norwegen flieht vor dem wm-viertelfinale: schimmel, lärm und ein hotel-desaster
Stale Solbakken wollte diplomatisch bleiben. „Es waren viele Kleinigkeiten“, sagte der norwegische Nationaltrainer über den abrupten Hotelwechsel seines Teams. Doch hinter dieser harmlosen Formulierung verbirgt sich ein handfestes Fiasko. Schimmelige Zimmer, Zigarettenstank und eine Baustelle direkt neben dem Schlafquartier – Norwegen erlebte vor dem größten Spiel seiner Fußballgeschichte einen Alptraum, der selbst erfahrene WM-Organisatoren verblüfft.
Die Mannschaft um Erling Haaland hatte im „The Dalmar“ in Fort Lauderdale Quartier bezogen, als die ersten Beschwerden eintrudelten. Verqualmte Zimmer, schlecht gereinigt, dazu der ständige Lärm einer stark befahrenen Straße. Die Spieler schliefen schlecht. Die Konzentration ließ nach. Kurzentschlossen packte das Team um – mitten in der Nacht, am Dienstag gegen 22 Uhr, in nur zweieinhalb Stunden. „Wir haben noch nicht einmal gefrühstückt“, erzählte Logistikmanager Truls Daehli dem Sender NRK. Aber alle seien jetzt glücklich.

Die fifa zahlt – norwegen reicht offiziell beschwerde ein
Der Umzug ins neue Hotel nahe dem Stadion in Miami war nicht bloß eine spontane Entscheidung. Die norwegische Delegation reichte am Mittwoch eine offizielle Beschwerde beim Weltverband ein. Die FIFA, verantwortlich für die Hotelorganisation während der WM, erklärte sich bereit, die Kosten für 50 Zimmer sowie die Sicherheitsmaßnahmen im neuen Domizil zu übernehmen. Der norwegische Verband springt für die höhere Zimmerkategorie ein – ein Preis, den man offenbar gern zahlt, wenn die Alternative schimmlige Wände sind.
Interessant: Bereits Kolumbien hatte während der Gruppenphase das „Dalmar“ genutzt, als die Südamerikaner in Miami spielten. Hoteldirektor Austin Barry wollte gegenüber NRK nicht bestätigen, ob weitere Teams während des Turniers im Haus untergebracht waren. Ein Muster scheint sich abzuzeichnen.
Ob der Chaos-Wechsel die Mannschaft beeinträchtigt? Daehli widerspricht vehement. Gerade die Spieler hätten den Umzug mehr als jeden anderen gewünscht. Man habe starke Leute im Betreuerteam. Die Atmosphäre zählt – und die soll jetzt stimmen, zwei Tage vor dem Viertelfinale gegen England.
Für Norwegen steht auf dem Platz ohnehin genug. Die Haaland-Generation trägt die Last einer fußballverrückten Nation. Dass sie nun auch noch mit muffigen Hotelzimmern kämpfen musste, wirft ein schiefes Licht auf die Organisation des Turniers. Die FIFA hat ein Problem – und Norwegen hat es auf den Tisch gebracht.
