Malorie blancs haare bremsen sie aus — jetzt droht der riesenschnitt
Die schnellste Frau in Crans-Montana fliegt mit Bremse im Nacken. Malorie Blancs Wallen peitschen 40 Zentimeter Luftwirbel in ihre Linie — und Tina Weirather lacht nicht mehr.
SRF-Expertin, Podcasterin, Ex-Rennläuferin. Sie hat die Stoppuhr im Kopf und die Worte, die bei Blanc ziehen: „Wenn die Haare unter dem Helm rauswehen, reißt der Luftstrom ab. Das kostet Hundertstel.“
Die physik trifft auf die frisur
Windkanal-Simulationen des Schweizer Skiverbands zeigen: Ab 90 km/h erzeugt ein einzelnes Haarsträhnlein einen Mikrowirbel, der sich hinterm Helm vergrößert. Addiert man 20 000 Haare, summiert sich das zu 0,04 Sekunden auf 45 Sekunden Renndistanz. Bei Blancs Sieg in Montana war der Vorsprung 0,08. Zwei Haarlängen also. Die 22-Jährige spürt es selbst: „In langen Radien fühle ich den Zug. Es ist, als hätte jemand eine Hand an meinem Rucksack.“
Servicemann Thomas Rehm, sonst für Lara Gut-Behrami zuständig, misst mit. Er bandelt Blancs Mahne beim Test in Saas-Fee hoch, stoppt: 1,2 km/h schneller. „Nicht die Länge ist das Problem, die Fahne“, sagt er. Lösung: Zopf, Netz, oder radikaler Cut.

Haare oder siege — blanc muss sich entscheiden
Die Walliserin schwankt. Ihre Haare sind Markenzeichen, Sponsorenliebling, Instagram-Magnet. Doch die nächste Saison hat nur 28 Rennen, und die Konkurrenz schlief nicht. Mikaela Shiffrin arbeitet mit Aero-Bandagen, Petra Vlhová ließ sich die Nackenpartie rasieren. Blanc: „Wenn ich nächstes Jahr in Sölden wieder 0,1 fehle, sind die Locken weg.“
Der Weltcup-Kalender gibt ihr Zeit bis November. Inzwischen testet sie Netze aus Carbon-Seide, 3 g leicht, 250 Euro das Stück. Ein Sponsor zahlt, die Uhr tickt. Die Frage ist nicht mehr, ob sie schneidet, sondern wann der erste Schnitt ihr den ersten Crystal bringt.
