De bruyne: tränen und ein abschied von der goldenen generation?
Los Angeles – Ein Abend, der belgischen Fußballgeschichte ungewollt prägte. Kevin De Bruyne, das unbestrittene Gesicht der „Goldenen Generation“, könnte im SoFi Stadium sein letztes Länderspiel absolviert haben. Die 1:2-Niederlage gegen Spanien, gepaart mit einer Kette unglücklicher Umstände, wirft einen langen Schatten auf die Zukunft des belgischen Nationalteams.
Ein team am limit: verletzungen und zweifel
Schon vor dem Anpfiff war klar, dass es kein einfacher Abend werden würde. Youri Tielemans, der Kapitän und Dreh- und Angelpunkt des Mittelfelds, verletzte sich im Aufwärmen schwer. Und dann der Schock in der 70. Minute: Thibaut Courtois, die Torwart-Ikone Belgiens, musste unter Tränen das Feld verlassen – eine Oberschenkelverletzung beendete seinen Einsatz. Ein bitterer Moment, der das Ende einer Ära einläuten könnte. De Bruyne selbst kämpfte bis zur Erschöpfung, doch selbst seine Klasse konnte die Wende nicht herbeiführen.
Die Erwartungen an De Bruyne waren vor dem Turnier ohnehin gedämpft. Nach einer langwierigen Verletzung bei SSC Neapel kehrte er erst im März zurück, und die Zeitung „La Libre Belgique“ verglich ihn in einem frustrierenden 0:0 gegen den Iran mit einem „abgehalfterten Schauspieler“. Die Kapitänsbinde trug er nicht mehr, sie war Tielemans‘ Aufgabe – ein Zeichen des Wandels zwischen alter und neuer Generation.

Ein flüchtiger hoffnungsschimmer
Für einen kurzen Moment, in der 55. Minute, blitzte jedoch noch einmal die Brillanz auf, die De Bruyne über ein Jahrzehnt hinweg auszeichnete. Ein Doppelflitzer mit Jeremy Doku führte zu einer vielversprechenden Szene, in der Maxim De Cuyper den Ball ans Außennetz schoss. Kein Tor, aber ein Hoffnungsschimmer, eine Erinnerung daran, was möglich gewesen wäre. Spanien, das über 600 Minuten lang ohne Gegentor geblieben war, zeigte sich jedoch unbezwingbar.
De Bruynes letzte Aktion: Ein taktisches Foul. Sein Abschied war kein glänzender Moment der Inspiration, sondern ein Zeichen der zunehmenden Erschöpfung: ein taktisches Foul, das ihm die Gelbkarte einbrachte. Als er das Spielfeld verließ, war sein Team zwar noch auf dem Weg zu einer Verlängerung, doch der Traum vom Halbfinale war bereits geplatzt.

Stolz und unsicherheit: die zukunft von de bruyne
„Ich bin stolz auf die Weltmeisterschaft, die ich gespielt habe“, sagte De Bruyne nach dem Spiel. Er räumte ein, dass er „zwei oder drei schwierige Jahre“ und eine schwere Operation hinter sich habe. Mit 35 Jahren stehe er an einem Scheideweg. Sein Vater Herwig hatte bereits Wochen zuvor angedeutet, dass De Bruynes Entscheidung von seinem Gefühl abhängen werde, noch einen wichtigen Beitrag leisten zu können. „Solange er das Gefühl hat, einen wichtigen Beitrag leisten zu können, wird er ein ‚Roter Teufel‘ bleiben – wenn nicht, wird er selbst entscheiden, dass es Zeit ist, aufzuhören.“
Es war kein Spiel, in dem ein einzelner Spieler versagt hat. Es war ein Kampf einer ganzen Generation – Courtois unter Tränen, Tielemans verletzt, De Bruyne bis zum Umfallen – gegen ein Ende, das kein Schiedsrichter anordnen musste. Die „Goldene Generation“ verabschiedete sich, ohne den ganz großen Titel gewonnen zu haben, und hinterließ die Frage, ob De Bruyne jemals wieder das belgische Trikot tragen wird. Die Antwort darauf liegt nur bei ihm selbst, aber eines ist gewiss: Er verlässt das Spielfeld mit erhobenem Haupt.
