Bünning ringt ums leben: hirnblutung trifft dynamo dresden wie ein blitz aus heiterem himmel

Lars Bünning liegt wach, atmet, kämpft. Der 28-jährige Innenverteidiger von Dynamo Dresden überstand in der Nacht zum Montag eine Not-OP, nachdem eine spontane Hirnblutung ihn innerhalb von Sekunden ins Klinikum Dresden-Friedrichstadt beförderte. Die Liga ist seit zweieinhalb Wochen vorbei – und jetzt steht sein Leben auf dem Platz.

Spielverlagerung auf der intensivstation

„Ohne äußere Einwirkung“, betonte der Verein knapp. Kein Foulellbogen, kein Zweikampf, keine Schrecksekunde im Training. Stattdessen ein dumpfes Gefühl, ein Handy-Anruf der Partnerin, Rettungswagen. Die Ärzte sprachen von einer Aneurysma-Ruptur, ein winziger Zeitbomben-Hohlriss, der jahrzehntelang schlummern kann – bis er explodiert.

Die Operation dauerte fünf Stunden. Mikrochirurgen verschloss die Blutungsquelle und senkten den Hirndruck. Am Montagmorgen öffnete Bünning die Augen, bewegte Finger und Zehen, lautete den ersten Sieg der Saison, den niemand auf der Anzeigetafel erwartet hatte.

Gonther: „der ball ruht jetzt“

Gonther: „der ball ruht jetzt“

Sport-Geschäftsführer Sören Gonther trat vor die Mikrofone, ohne Krawatte, mit roten Augen. „In solchen Momenten ist alles andere Makulatur. Die Tabelle, die Transfers, die Testspiele – alles Makulatur.“ Seine Stimme brach, als er die nächsten Sätze formulierte: „Wir bringen Lars keine Laktatanalyse, wir bringen ihm Schokoküsse und seine Lieblingsmusik. Der Ball ruht, bis der Mensch wieder atmet.“

Dynamo Dresden stellt ab sofort keinen Rehab-Zeitplan in Aussicht. Kein „Ziel Comeback im Wintertrainingslager“. Stattdessen bezuschusst der Klub eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung, inklusive Neuro-Psychologin und Logopädin. Die Mannschaft erhielt heute Freistellung bis Donnerstag, die Kabine bleibt dunkel.

Wenn der körper die taktik überrennt

Wenn der körper die taktik überrennt

Für Bünning war die laufende Spielzeit eine Erfolgsstory: 31 Zweitliga-Einsätze, 92 % Passquote, zwölf Balleroberungen im Sechzehner – Statistiken, die jetzt bloß Zahlen bleiben. Seine Partnerin postete vor zwei Tagen noch ein Foto vom Dresdner Elbufer, die Beine baumelten über die Brüstung, dazu ein Emoji mit Sonnenbrille. Das Bild wurde gelöscht, die Kommentarspalte mit Herzchen und Kerzen überflutet.

Ärzte sprechen von einem „favourable outcome“, doch jeder weiß: Die neurologische Reha wird Monate dauern, vielleicht Jahre. Sprache, Gleichgewicht, Kurzzeitgedächtnis – alles muss neu geordnet werden, als würde man eine komplette Mannschaft umstellen, nur dass diesmal das Spielfeld im Kopf liegt.

Die Fans haben vor dem Stadion an der Lennéstraße Kerzen aufgestellt, ein schwarz-gelber Schal hängt zwischen ihnen. Darauf steht in weißer Schrift: „Lars, der 12. Mann wartet. Aber nimm dir die Zeit.“

Der Countdown läuft – nur ohne Uhr.