Alfred gislason spricht offen über em-höhen und -tiefen
- Turbulente em aus sicht des bundestrainers
- Gelungener start und überraschende niederlage gegen serbien
- „Fast zu locker“: kritik an der stimmung in der kabine
- Das buzzer-drama gegen serbien – eine „ziemlich beschissene situation“
- Verantwortung übernehmen und fokus auf die zukunft
- Angst und kreativität – eine aussagekräftige zeichnung
- Silbermedaille und ein positives fazit
Turbulente em aus sicht des bundestrainers
Während der Handball-Europameisterschaft stand neben den Leistungen der Spieler vor allem eine Person im Fokus: Bundestrainer Alfred Gislason. Nun hat der Isländer auf seiner Website persönliche Einblicke geteilt, die ein schonungsloses Bild der Ereignisse aus seiner Sicht zeichnen. Die EM war für das deutsche Team ein Wechselbad der Gefühle.

Gelungener start und überraschende niederlage gegen serbien
Der Start der DHB-Auswahl verlief zunächst vielversprechend. Mit einem 30:27-Sieg gegen Österreich gelang ein erfolgreicher Auftakt. Doch nur zwei Tage später verpasste das Team um Gislason den direkten Einzug in die Hauptrunde durch eine überraschende 27:30-Niederlage gegen Serbien. Eine umstrittene Trainerentscheidung trug zu der Debatte bei, blieb aber nicht allein ausschlaggebend.

„Fast zu locker“: kritik an der stimmung in der kabine
Gislason beschreibt die Stimmung in der Kabine zur Halbzeit – bei einer komfortablen 4-Tore-Führung – als „fast zu locker“. Als das Spiel im zweiten Durchgang kippte, spürte er den wachsenden Stress, der sich auf die Mannschaft übertrug. Er kritisierte zudem seine eigenen Personalentscheidungen: „Ich halte sehr lange an der gleichen Formation fest. Im Nachhinein zu lange“, so der 66-Jährige. Auch Spielmacher Juri Knorr äußerte sich ähnlich und kritisierte indirekt die Aufstellung des Trainers.
Das buzzer-drama gegen serbien – eine „ziemlich beschissene situation“
Fünf Minuten vor Schluss kam es zu der viel diskutierten Szene: Gislason drückte den Auszeit-Buzzer genau in dem Moment, als Knorr den vermeintlichen Ausgleichstreffer erzielte. Gislason erklärt, er habe auf die Uhr geschaut und den Buzzer kurz vor Ablauf der Strafzeit gedrückt. Er hatte jedoch nicht bemerkt, dass der Ball noch weitergespielt wurde, was den Ausgleich verhinderte. „Ziemlich beschissene Situation“, resümiert der Isländer. Diese Nacht habe er kaum geschlafen, und seine Gedanken kreisten nicht um den Buzzer, sondern um die bevorstehenden Herausforderungen.
Verantwortung übernehmen und fokus auf die zukunft
Vor dem entscheidenden Spiel gegen Spanien übernahm Gislason die volle Verantwortung für die Niederlage und forderte sein Team auf, sich nicht um seine Zukunft zu sorgen, sondern den Fokus auf die Partie zu richten. „Ob ich Nationaltrainer bin in einem Monat oder nicht. Ich habe eine Aufgabe bekommen: eine große Zukunfts-Mannschaft für Deutschland aufzubauen, die die WM im eigenen Land 2027 gewinnen könnte. Und dieses Ziel habe ich aus meiner Sicht schon erreicht“, schreibt er.
Angst und kreativität – eine aussagekräftige zeichnung
Gislason verdeutlichte seinen Ansatz mit einer Zeichnung: Zwei vertikale Linien, über der linken ein „A“ für Angst, über der rechten ein „K“ für Kreativität. Je höher die Angst, desto geringer die Kreativität. Er betonte, dass Angst und Stress die Kreativität und den Flow ersticken. Diese Motivation trug dazu bei, dass das Team mit Hilfe von Österreich als Gruppenerster in die Hauptrunde einzog.
Silbermedaille und ein positives fazit
Nach Siegen gegen Portugal und Norwegen, sowie einer Niederlage gegen Dänemark, erreichte die deutsche Nationalmannschaft das Halbfinale und besiegte dort Frankreich mit 31:28. Im Finale musste man sich jedoch erneut Dänemark geschlagen geben. Trotz der Höhen und Tiefen zieht Gislason ein positives Fazit: „Ich bin sehr, sehr stolz auf diese Mannschaft. Wir haben Riesenschritte gemacht. Die Entwicklung der Mannschaft gibt mir mehr als die Silbermedaille.“ Er blickt optimistisch in die Zukunft: „Aber Silber ist nicht das Ende. Es ist ein Schritt. Die WM 2027 ist im eigenen Land. Und diese Mannschaft steht erst am Anfang.“
