Thw kiel feuert alisa türck mitten im derby-fieber

Die Zebras schmeißen ihre Chefin raus – drei Tage vor dem Nordderby. Alisa Türck ist gestern mit sofortiger Wirkung als Geschäftsführerin des THW Kiel freigestellt worden. Die Entscheidung kam per Knallfall, obwohl der Verein erst Ende Januar verkündet hatte, dass Türcks Vertrag im Sommer ausläuft.

„Wir werden jetzt den Zeitpunkt des bereits geplanten Neuanfangs vorziehen“, zitierte der Klub Aufsichtsrats-Chef Kai Kruse in einem knappen Statement. Mehr war nicht zu hören aus Kiel. Kein Dank für geleistete Arbeit, keine Erklärung für den abrupten Ruck – nur ein lapidares „wir wünschen ihr alles Gute“.

Neue frau steht schon in den startlöchern

Anja Niemann übernimmt. Die 44-jährige Diplom-Ökonomin und ehemalige kaufmännische Vorständin eines Kieler Pharma-Start-ups rückt zum 1. April in die Geschäftsführung auf. Bis dahin lenkt allein Viktor Szilagyi den Rekordmeister. Niemann war ohnehin schon für die Sommer-Nachfolge vorgesehen – nun bekommt sie den Job früher und mitten im Liga-Alltag.

Für Türck endet ein Auftrag, der von Anfang an nur auf zwei Jahre angelegt war. Seit Sommer 2024 verantwortete sie Marketing, Vertrieb, Markenentwicklung und Digitalisierung. Unter ihrer Führung startete der Klub mehrere Neu-Kampagnen, modernisierte die Ticketing-Struktur und baute das Sponsoring aus. Doch intern kursierte seit Wochen, dass die Zusammenarbeit holprig lief – zu wenig Durchsetzungskraft, zu viele offene Baustellen.

Derby-sieg war ihr letzter erfolg

Derby-sieg war ihr letzter erfolg

Ironie des Sports: Türcks letzter offizieller Auftritt war der 36:29-Kantersieg gegen genau den Rivalen, der nun zum Abschied kommt – SG Flensburg-Handewitt. Am Samstag (20 Uhr, Dyn) folgt in der Sparkassen-Arena das Liga-Rückspiel. Die Fans feiern Nordderby-Woche, die Vereinsspitze fegt die Chefetage leer.

Ein Wechsel unter der Woche, kurz vor dem Höhepunkt der Saison – das ist im deutschen Spitzenhandball selten. Der THW riskiert Ablenkung vor einem Spiel, das über Meisterschafts-Richtung entscheiden kann. Szilagyi muss nun allein die Kurs-Korrektur schaffen, während die Spieler mit Fragen zur internen Machtverschiebung konfrontiert werden.

Die Kieler haben den Ruf, rüde zu sein, wenn es um Personalentscheidungen geht. Türck ist das nächste Beispiel. Sie kam mit dem Auftrag, den Klub digital zu transformieren. Jetzt geht sie, ohne dass die Transformation abgeschlossen wäre. Die Quote: 18 Monate Amtszeit, ein Pokalsieg, ein European-League-Sieg – und ein abruptes Ende ohne Abschiedspressekonferenz.

Der THW Kiel ist wieder auf der Suche nach Stabilität. Die nächste Führungskraft soll es richten. Anja Niemann beginnt mit dem Ruf der Krisenmanagerin – und mit dem Wissen, dass in Kiel Erfolg nur dann zählt, wenn er sofort kommt.