Thuram verspielt den titel: warum inter ohne lautaro plötzlich stolpert
Marcus Thuram hatte die 2:0-Entscheidung auf dem Fuß, schoss aus sieben Metern auf Carnesecchi – und traf ihn. San Siro schrie auf, die Kurve verstummte. In dieser Sekunde kristallisierte sich aus, warum Inters Meisterrennen plötzlich raucht: Der Mann, der Lautaro Martínez vertreten soll, steht mit sieben Liga-Treffern da, halb so viele wie in der Vorsaison. Der „Tikus“ ist abhanden gekommen.
Chivu braucht einen thuram, der es nicht mehr gibt
Der Franzose lief 2023/24 noch 13-mal ein, kratzte Bälle aus der Dreierkette, schob sich in Lücken, schoss mit Hacke und Ellbogen. Heute wirkt jeder Torschuss wie ein Bittgesuch, jede Ballannahme wie ein Rückwärtsgang. Ohne Lautaro sollte er der Referenzstürmer sein, doch die Statistik lügt nicht: Er traf nur noch alle 264 Minuten, nachdem er 2023 noch alle 167 Minuten traf.
Inter-Fans pfeifen nicht, sie seufzen. Sie sehen, wie Thuram beim Schuss aus 14 Metern den Blick hebt, als frage er sich, wo denn die alte Dampfmaschine geblieben sei. Die Antwort steht auf dem Spielfeld: Er läuft 0,3 km/h langsamer, gewinnt 14 % weniger Zweikämpfe, seine xG-Quote brach von 0,58 auf 0,31 pro Spiel ein. Die Zahlen sind lauter als die Kurve.

Pios boom reicht nicht, wenn der kopf fehlt
Trainer Cristian Chivu kann sich auf Pio Esposimo verlassen, 20 Jahre, sieben Saisontreffer, kein Nervenpaket. Doch ein 20-Jähriger allein trägt keine Meisterschaft. Thuram muss in den letzten acht Spieltagen wieder der Thuram werden, der in der Champions-League-Gruppenphase noch Milan und Benfica schädigte. Sonst verlässt Inter die Spur, die seit 191 Jahren nach Mailand führt.
Der Klub schwieg nach Atalanta. Kein Statement, kein Zoff in der Kabine. Nur das leise Knirschen von Zahnrädern, die sich neu finden müssen. Thuram selbst quittierte die Fragen mit einem Schulterzucken: „Wir arbeiten.“ Aber Arbeit allein reicht nicht, wenn das Selbstvertrauen im Netz hängen bleibt. Chivu hat noch 720 Minuten, um seinen Stürmer wieder auf 14-Tore-Kurs zu bugsieren.
Die Meisterschaft wird in Mailand entschieden – und vielleicht auch in Thurams Kopf. Fällt er dort nicht auf die Knie, fällt Inter am Ende auf den zweiten Platz.
