Thuram trägt inter auf den schultern – titel nur noch einen sieg entfernt
Marcus Thuram hat in Turin nicht einfach nur zwei Punkte gerettet – er hat die Meisterschale mit beiden Händen nach Mailand geschoben. Fünf Tore in vier Spielen, ein Kopfball nach dem anderen, ein Triumphmarsch quer durchs Spielfeld, um Federico Dimarco den Stiefel zu küssen. Die Geste war Programm: Ohne den angeschlagenen Kapitän Lautaro Martínez übernimmt Thuram das Kommando, und die Nerazzurri folgen ihm blind.
17 Vorlagen – dimarco liefert, thuram verwertet
Die Zahlen sind lauter als alle Curva-Gesänge zusammen. 17 Assists schreibt Dimarco in dieser Saison aus, kein Verteidiger in der Geschichte der Serie A war je so häufig letzter Passgeber. Die letzten beiden Vorlagen gegen Cagliari und Turin waren keine Kunstwerke, sondern Flugblätter: Thuram musste nur noch unterschreiben – einmal links, einmal per Kopf. „Er verwandelt meine Flanken in Golmusik“, sagt Dimarco, und das ist keine Übertreibung.
Der Franzose steht nun bei 17 Saisontreffern, nur einen Treffer hinter seiner persönlichen Bestmarke. Sieben davon per Kopf – eine Satire für Vater Lilian, der ihn einst wegen mangelnder Luftsicherheit verspottete. „Papa hat mir WhatsApp-Videos geschickt, wie ich gegen Torino einköpfe. Dazu nur ein Smiley: ein Stier“, lacht Thuram. Die Botschaft ist klar: Der Sohn hat den Vater eingeholt, zumindest in der Statistik.

Parma wartet – und thurams geburtsstadt auch
Am Sonntag gastiert Parma im Giuseppe-Meazza. Für Thuram ist es ein Heimspiel im wahrsten Sinne: Er wurde 1997 dort geboren, wo seine Mutter während Papas Engagement für den Klub lebte. „Ich kenne jeden Zentimeter dieses Rasens“, sagt er, „aber wenn es 0:0 steht, werde ich trotzdem das Netz zerreißen.“ Ein Sieg reicht, um die 20. Scudetto perfekt zu machen – unabhängig von allem, was in Bergamo, Rom oder Neapel passiert.
Inter hat Thuram inzwischen mit einer Gehaltserhöhung bis 2029 ausgestattet, die Ausstiegsklauselsteigt auf 120 Millionen Euro. Klubboss Giuseppe Marotta nennt ihn „nicht verkäuflich – außer jemand zahlt in Bitcoin“. Die Fans haben bereits ein neues Lied gelernt: „Thu-La ohne Lau-Lau“, eine Hommage an das einstige Sturmduo Thuram-Lautaro, das jetzt kurzfristig zum Solo wird.
Der Winter war kalt, Thuram frostelte durch sieben Partien ohne Tor. Dann kam die Länderspielpause, ein Doppelpack für Frankreich gegen Chile, und plötzlich lief der Motor wieder auf Hochtouren. „Ich habe in den Osterferien jeden Tag 200 Kopfbälle trainiert“, verrät er. Die Zahlen sprechen: Seit April traf er in jedem zweiten Spiel. Wer jetzt noch behauptet, Thuram sei nur schnell, bekommt eine Kopfballstatistik um die Ohren gehauen.
Die Meisterschaft ist keine Frage mehr, nur noch eine Formsache. Thuram wird sie mit dem Kopfstoß seines Lebens krönen – und mit einem Kuss auf Dimarcos Stiefel, der längst Kultstatus erreicht hat. Die Curva Nord plant bereits ein großes Choreo: Thuram als Gladiator, Dimarco als Bogenschütze. Pfeil und Bogen treffen Herz und Netz. Mailand zittert vor Vorfreude, Parma wird zum Schauplatz der Krönung. Und Thuram? Der lächelt nur, schaut Richtung Tribüne und weiß: In sieben Tagen ist er nicht mehr nur Torschütze – dann ist er Legende.
