Thun schlägt zurück: märchenhafter aufstieg in die schweizer spitze!
Kaum zu glauben, was in Thun passiert! Die kleine Stadt am Thunersee, einst verschattete vom vermeintlichen Fußball-Glanz der Grossklubs, schreibt plötzlich Fussballgeschichte. Der FC Thun, einst Abstiegskandidat und zweitklassiger Träumerei, führt die Schweizer Super League an – ein Wunder, das selbst Leicester 2016 in den Schatten stellt.
Ein trainergespenst wird zum retter
Hinter diesem unerwarteten Erfolg steht ein Mann, der den Fans des FC Thun noch bestens bekannt ist: Mauro Lustrinelli. Vor zwanzig Jahren traf er sensationell 20 Tore in der Saison, die Thun in die Champions League führte. Nun kehrt er als Trainer zurück und weckt eine lange schlafende Leidenschaft. An seiner Seite: Andreas Gerber, ebenfalls eine Legende des Vereins und nun als Präsident und Sportdirektor Teil dieses unglaublichen Projekts.
Der Aufstieg in die erste Liga im vergangenen Sommer mit einem Budget von lediglich zwei Millionen Franken – während Basel 18 Millionen ausgab – war schon eine Überraschung. Das erklärte Ziel, den Klassenerhalt zu sichern, scheint angesichts der aktuellen Tabellenführung absurd weit entfernt. Die Arena am Stockhorn ist jeden Spieltag ausverkauft. Wo einst 3.000 bis 4.000 Fans die Zweitligaspiele verfolgten, pilgern nun 10.000 Anhänger an den Hang.

Das geheimnis liegt im detail: pressing und leidenschaft
Das System von Lustrinelli ist kein Geheimnis, aber seine Umsetzung ist brillant. Ein tiefstehender Block, aggressives Pressing, blitzschnelle Konter, zwei Stürmer und zwei Spielmacher – das ist die Formel für den Erfolg. Mit einem Ballbesitz von nur 46% und einem der aggressivsten Pressing-Indizes der Liga, vergleichbar mit dem von Barcelona oder PSG in ihren jeweiligen Ligen, kontrolliert Thun das Spielgeschehen.
Besonders beeindruckend ist die Kontinuität. Der Großteil des Teams, der im Vorjahr den Aufstieg feierte, steht noch immer zur Verfügung, ergänzt durch wenige, gezielte Neuzugänge. Genís Montolio, der zentrale Verteidiger aus Spanien, ist ein Beispiel für die Geschichte vieler Fussballer. Nach einer Odyssee durch diverse Jugendabteilungen und kurzen Verträgen stand er kurz vor dem Karriereende, als Thun ihn vor zwei Jahren vor dem Abgrund rettete.

Die letzte chance und der weg zum glück
“Ich dachte, ich hänge die Schuhe an den Nagel,” gesteht Montolio. “Ich habe mit meiner Familie gesprochen und gesagt, dass ich vor Freitag etwas brauche, das mich begeistert. Am Donnerstag hat das Telefon geklingelt: Es war Thun. Die dritte Liga. Nicht die besten Bedingungen, aber eine Chance.” Und diese Chance ergriff er mit beiden Händen. Im ersten Jahr lebte er in einem Zimmer bei einem älteren Herrn, pendelte dreimal täglich zum Training und kämpfte mit der Sprachbarriere. “Mental habe ich das irgendwie überstanden.”
Heute ist er das Herz der Abwehr und ein wichtiger Baustein des Erfolgs. “Wir haben nichts Besonderes gemacht, keine Millionen investiert – im Gegenteil, wir haben am gleichen Kader festgehalten,” betont Montolio. “Die Intensität, die wir an den Tag legen, ist unübertroffen.” Die Spieler scheuen sich, das Wort “Meisterschaft” in den Mund zu nehmen, aber die Andeutungen in den Gesichtern lassen keinen Zweifel daran: Thun träumt vom Aufstieg in den europäischen Fußballhimmel.
Und wenn es wirklich soweit kommt, dann gibt es für Genís Montolio einen Deal: Er wird sich die Haare rot färben. Ein Versprechen, das er MARCA gegeben hat.
