Thun schielt auf den titel – albrecht schweigt nicht länger
14 Punkte Vorsprung, elf Spiele noch, und jetzt redet auch der Sportchef: Dominik Albrecht hält den Meistertraum beim FC Thun längst nicht mehr für Mumpitz.
„Wenn man auf die tabelle schaut …“
Die Aussage knallt trotzdem herein wie ein Spitzenschuss in den Winkel. „Es ist im Moment wirklich nicht unwahrscheinlich“, sagt Albrecht im Gespräch mit dem SRF. Kein „wenn wir uns steigern“, kein „theoretisch möglich“ – sondern ein schlichtes: Wir können. Die Worte sind angekommen in der Stadt am Aare, wo seit 2005 kein Ball mehr über Meister geredet wurde.
Doch der 38-Jährige zieht sofort die Notbremse. „Man wird nicht Meister, nur weil man darüber spricht.“ Stattdessen pflügt er lieber das Feld der Psyche. Sein Credo: Wohlfühloase statt Druckkessel. „Ich bin überzeugt, dass dies die Basis für Erfolg ist.“ Das klingt nach Wellness-Slogan, ist aber konsequent durchdacht. Thun spielt kein Galaktikos-Modell, sondern setzt auf Kollektiv-Power, auf Trainingsalltag, auf warmes Mittagessen und Kleingruppen-Gespräche. Die Spieler sollen sich zuhause fühlen – und dann auswärts zuschlagen.

Die geister, die albrecht rief
Die Methode scheint zu greifen. Seit elf Partien sind die Berner Oberländer ungeschlagen. Selbst als Top-Team gaben sie in St. Gallen nie auf, drehten einen 0:2-Rückstand. Die Bank jubelt wie ein Schulbus, der in den Ferien startet. Und die ehemaligen Profis? Die quatschen sich in WhatsApp-Gruppen die Finger wund. „Die Zeit beim FC Thun war die schönste meiner Karriere“, klingt es da in Albrechts Handy. Er speichert die Sprachnachrichten, spielt sie vor, wenn die Stimmung kippt.
Jetzt also die Frage: Hält die Nervosität? In den nächsten Wochen warten Meister-Prüfungen: Basel zu Hause, dann Young Boys auswärts. Die Statistik sagt: Wer nach 25 Spielen 14 Punkte vorne liegt, wurde in der Super-League-Geschichte noch nie gestürzt. Die Statistik lügt selten – aber sie lacht auch nicht. Deshalb trainiert Thun weiter mit Quietschen-Schuhen auf dem Kunstrasen, statt mit Champagner in der Kabine. Albrecht will keine Meister-Party planen, sondern die nächste Videoanalyse starten.
Die Fans träumen laut, der Sportchef denkt leise. Am Samstag steht wieder ein Gegner an, der glaubt, Thun sei nur ein Gast in der Spitzengruppe. Dann wird gezeigt, ob die Wohlfühloase ein Champion-Bett wird – oder doch nur eine schöne Saison-Episode. Die Antwort kommt nicht von allein. Sie fällt in 90 Minuten, elf Mal hintereinander.
